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Mittwoch, 09.05.2012

                                                                                                                                                           

                                                                                                          

 

 

 

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Samstag, 14. April 2012
 

Neuwahlen mit Zündstoff


Bremerhaven. Bei den Hafenarbeitern des Gesamthafenbetriebsvereins (GHB) herrscht weiterhin dicke Luft. Der Betriebsrat hat zwar am Freitag den Weg für eine Neuwahl freigemacht, aber sofort entbrannte ein Streit über das Wahlverfahren. Zur Erinnerung: Bei der jüngsten Betriebsratswahl vor zwei Jahren landeten die Kontrahenten vor Gericht. Jetzt soll sogar der Hafensenator helfen. Von Klaus Mündelein

Man muss kein großer Prophet sein, um auch nach der kommenden Wahl juristische Auseinandersetzungen vorherzusehen. Wann die vorgezogene Betriebsratswahl stattfinden wird, steht noch nicht fest. Sie ist notwendig geworden, weil sich die GHB-Belegschaft durch die vielen Neueinstellungen in den vergangenen Monaten verdoppelt hatte. Aber schon bei der Bewertung der Frage, wer die Neuwahl ausgelöst hat, gibt es Streit.

Hafenarbeiter hatten mit Verweis auf die Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes den Antrag auf Neuwahlen gestellt. Peter Frohn, der amtierende Betriebsratsvorsitzende des GHB in Bremerhaven, betont hingegen, dass er sich schon vor diesem Antrag mit dem Thema beschäftigt habe. Nach juristischer Überprüfung der Lage habe man dann die Neuwahlen eingeleitet.

Der Betriebsrat hat auch gleich einen Wahlvorstand gewählt, der den Ablauf der Wahl steuern soll. Frohn sieht sich damit auf der rechtlich sicheren Seite. Aber Frohns Gegner schäumen vor Wut. „Wir sind richtig stinkig“, sagt Olaf Thun. Der ehemalige GHB-Rebell, der inzwischen in der Betriebsgruppe Hafen der SPD untergekommen ist, kritisierte schon vor zwei Jahren heftig die Wahl, die damals dann vor dem Arbeitsgericht angefochten wurde. Damals unterstellten die Gegner, die Wahlurne sei nicht ordnungsgemäß versiegelt worden. Ihre Beweise überzeugten nicht. Das Gericht wies die Klage zurück und erklärte die Wahl für rechtens.

Aber das Misstrauen ist offensichtlich geblieben. Thun forderte einen Wahlvorstand, der nicht vom amtierenden Betriebsrat besetzt wird. Die Urne sollte sogar nachts von der Wasserschutzpolizei gesichert werden. Umso enttäuschter zeigte sich Thun, dass nun doch wieder der Wahlvorstand des Betriebsrats den Ablauf bestimmt. „Wir wollen einfach nur faire Wahlen“, sagt er und schlägt vor, dass DGB-Chef Karsten Behrenwald oder Hafensenator Martin Günthner (beide SPD) helfen – etwa mit einem Siegel für die Urne.

Frohn betont, dass alles nach Recht und Gesetz geregelt wird. Und erinnert daran, dass Thun bei der SPD mitwirkt, also nicht über den Dingen steht. „Was kann ich dafür, dass vor zwei Jahren seine Liste nicht gewählt wurde“, sagt er.

 

                                                                                                                                                             

 

 

 

 

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Samstag, 14. April 2012
 

Neuwahlen mit Zündstoff


Bremerhaven. Bei den Hafenarbeitern des Gesamthafenbetriebsvereins (GHB) herrscht weiterhin dicke Luft. Der Betriebsrat hat zwar am Freitag den Weg für eine Neuwahl freigemacht, aber sofort entbrannte ein Streit über das Wahlverfahren. Zur Erinnerung: Bei der jüngsten Betriebsratswahl vor zwei Jahren landeten die Kontrahenten vor Gericht. Jetzt soll sogar der Hafensenator helfen. Von Klaus Mündelein

Man muss kein großer Prophet sein, um auch nach der kommenden Wahl juristische Auseinandersetzungen vorherzusehen. Wann die vorgezogene Betriebsratswahl stattfinden wird, steht noch nicht fest. Sie ist notwendig geworden, weil sich die GHB-Belegschaft durch die vielen Neueinstellungen in den vergangenen Monaten verdoppelt hatte. Aber schon bei der Bewertung der Frage, wer die Neuwahl ausgelöst hat, gibt es Streit.

Hafenarbeiter hatten mit Verweis auf die Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes den Antrag auf Neuwahlen gestellt. Peter Frohn, der amtierende Betriebsratsvorsitzende des GHB in Bremerhaven, betont hingegen, dass er sich schon vor diesem Antrag mit dem Thema beschäftigt habe. Nach juristischer Überprüfung der Lage habe man dann die Neuwahlen eingeleitet.

Der Betriebsrat hat auch gleich einen Wahlvorstand gewählt, der den Ablauf der Wahl steuern soll. Frohn sieht sich damit auf der rechtlich sicheren Seite. Aber Frohns Gegner schäumen vor Wut. „Wir sind richtig stinkig“, sagt Olaf Thun. Der ehemalige GHB-Rebell, der inzwischen in der Betriebsgruppe Hafen der SPD untergekommen ist, kritisierte schon vor zwei Jahren heftig die Wahl, die damals dann vor dem Arbeitsgericht angefochten wurde. Damals unterstellten die Gegner, die Wahlurne sei nicht ordnungsgemäß versiegelt worden. Ihre Beweise überzeugten nicht. Das Gericht wies die Klage zurück und erklärte die Wahl für rechtens.

Aber das Misstrauen ist offensichtlich geblieben. Thun forderte einen Wahlvorstand, der nicht vom amtierenden Betriebsrat besetzt wird. Die Urne sollte sogar nachts von der Wasserschutzpolizei gesichert werden. Umso enttäuschter zeigte sich Thun, dass nun doch wieder der Wahlvorstand des Betriebsrats den Ablauf bestimmt. „Wir wollen einfach nur faire Wahlen“, sagt er und schlägt vor, dass DGB-Chef Karsten Behrenwald oder Hafensenator Martin Günthner (beide SPD) helfen – etwa mit einem Siegel für die Urne.

Frohn betont, dass alles nach Recht und Gesetz geregelt wird. Und erinnert daran, dass Thun bei der SPD mitwirkt, also nicht über den Dingen steht. „Was kann ich dafür, dass vor zwei Jahren seine Liste nicht gewählt wurde“, sagt er.

 

                                                                                                                                                             

 

Nordsee - Zeitung vom 05.04.2012

                                                                                                                                                                     

Nordsee-Zeitung vom 16.03.2012

                                                                                                                                     

                                                                                                                           

F.A.Z. 

 

 

Gewerkschaften verlieren Monopol Bundesarbeitsgericht kippt Tarifeinheit

23.06.2010 ·  Das Bundesarbeitsgericht lässt mehr Wettbewerb unter den Gewerkschaften zu. Der jahrzehntelang geltende Grundsatz „Ein Betrieb - ein Tarifvertrag“ wird aufgegeben. Künftig sind in einem Unternehmen mehrere Tarifverträge nebeneinander möglich. Das stärkt vor allem kleine Spartengewerkschaften.

 

Der Kurswechsel in der Rechtssprechung hatte sich bereits zu Jahresbeginn angedeutet: Der Vierte Senat hatte im Januar die Abkehr vom jahrzehntelangen Grundsatz „Ein Betrieb - ein Tarifvertrag“ angekündigt. Die Entscheidung stand bislang aber unter Vorbehalt, weil sie von der Rechtsprechung des Zehnten Senats abwich. Nachdem dieser nun zugestimmt hat, sind künftig in einem Unternehmen mehrere Tarife nebeneinander möglich.

Die großen Gewerkschaften müssen nun mit härterer Konkurrenz durch kleinere Spartenorganisationen rechnen. Einige Arbeitgeber befürchten durch den Kurswechsel mehr Streiks. Das Prinzip der Tarifeinheit galt schon seit langem als umstritten, weil es kleinere Gewerkschaften benachteiligte. Insbesondere Spartengewerkschaften wie die Lokführergewerkschaft GDL, die Flugbegleitergewerkschaft UFO und die Ärztegewerkschaft Marburger Bund kritisierten, dass sie dadurch in ihrer verfassungsrechtlich geschützten Koalitionsfreiheit verletzt würden.

 

 

Die bisher zumeist praktizierte Tarifeinheit garantierte, dass es in einem Unternehmen nicht zahllose Verträge konkurrierender Gewerkschaften gibt. Der Grundatz der Tarifeinheit war aber in keinem Gesetz verankert, sondern hatte sich seit Gründung der Bundesrepublik lediglich auf Basis der jahrelangen Rechtssprechung herausgebildet.

Doch in den vergangenen Jahren verschafften sich mehrere kleine, schlagkräftige Organisationen in der Öffentlichkeit Gehör - allen voran die Lokführergewerkschaft GDL, die sich vor rund drei Jahren eine monatelange Tarifauseinandersetzung mit der Deutschen Bahn lieferte. Spätestens seit damals diskutierten Gewerkschafter, Arbeitgeber und Arbeitsrechtler, ob das Bundesarbeitsgericht den Rechtsgrundsatz nicht aufgeben sollte.

DGB und Arbeitgeberverband: Spaltung der Belegschaften droht

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisierte die Entscheidung: „Damit bieten selbst geltende Tarifverträge keinen Schutz mehr vor Arbeitskämpfen. Wenn konkurrierende Gewerkschaften jederzeit den Betriebsfrieden gefährden können, geht ein entscheidender Vorteil der Flächentarife insgesamt verloren“, erklärte Hauptgeschäftsführer Ulrich Brocker.

In seltener Einmütigkeit hatten sich vor der Entscheidung der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Arbeitgeber für eine gesetzliche Regelung starkgemacht, mit der die Tarifeinheit auch künftig gesichert werden solle.

Die großen Branchen-Gewerkschaften im DGB fürchten da nicht nur neue Konkurrenz, sie fürchten vor allem eine Entsolidarisierung der Arbeitnehmer. Würden etwa die Müllmänner ihre eigene Gewerkschaft gründen, ginge Verdi ein schlagkräftiges Streikmittel verloren, um Verbesserungen auch für andere, schwächere Mitarbeiter der Kommunen durchzusetzen. „Für jede Berufsgruppe eine eigene Vertretung und ein eigener Vertrag - das bringt Chaos in die Betriebe“, erklärte der DGB.

Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles forderte eine „klare gesetzliche Festschreibung der Tarifeinheit“, um einen Flickenteppich aus unterschiedlichen Tarifverträgen und die Spaltung von Belegschaften zu verhindern. Mit der Entscheidung werde „Pseudogewerkschaften“ der Weg zu Dumpingabschlüssen weiter erleichtert, warnte sie.

Die Spartengewerkschaften jubeln

Mit Erleichterung reagierten dagegen die Spartengewerkschaften auf den Richterspruch. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund, die vor allem Krankenhausärzte vertritt, erklärte, das Gericht schreibe Tarifgeschichte. Das Urteil sei ein Erfolg für alle Arbeitnehmer, denen nun nicht mehr das Recht verwehrt werden könne, welche Gewerkschaft für sie rechtsgültige Tarifverträge abschließe.

Die Vereinigung Cockpit (VC) kündigte mit Blick auf die Forderung von DGB und Arbeitgebern Verfassungsklage gegen eine gesetzliche Regelung zur Tarifeinheit an. Es sei klar verfassungswidrig, die Tarifeinheit gesetzlich zu erzwingen, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg der Nachrichtenagentur Reuters. Er könne sich nicht ernsthaft vorstellen, dass die Regierung sich die Finger daran verbrennen wolle. Sollte es dennoch einen Gesetzesvorstoß geben, werde man das Verfassungsgericht anrufen.

Die Bundesregierung hat noch nicht entschieden, ob sie nun eine gesetzliche Regelung auf den Weg bringen will. Ein Sprecher des Arbeitsministeriums sagte, es müsse geprüft werden, ob und gegebenenfalls an welcher Stelle es Handlungsbedarf gebe. Allerdings handele es sich um ein sensibles Feld, das auch die Tarifautonomie berühre. Bei der Prüfung werde der von DGB und Arbeitgeberverbänden vorgelegte Vorschlag einbezogen.

 

Spartengewerkschaften: Klein, aber mächtig

Spartengewerkschaften vertreten nur eine geringe Zahl von Beschäftigten, diese sind meist aber in entscheidenden Positionen. Bislang war die Macht der kleinen Gewerkschaften durch den Grundsatz der Tarifeinheit begrenzt: In einem Betrieb darf nur ein Tarifvertrag gelten, und zwar der mit der dort mitgliederstärksten Gewerkschaft abgeschlossene. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) will nun die Tarifeinheit aufgeben - was den Spartengewerkschaften nutzt. Die wichtigsten Spartengewerkschaften im Überblick.

GdF: Die Gewerkschaft der Flugsicherung hat gerade einmal knapp 3000 Mitglieder - vor allem Fluglotsen, aber auch Techniker und Ingenieure der Flugsicherung. Trotzdem ist ihre Macht groß, denn wenn die Fluglotsen in den Ausstand treten, darf kein Flugzeug mehr abheben. Erst kürzlich drohte die GdF, durch einen Streik den gesamten Flugverkehr lahmzulagen. Dann sagte sie den Ausstand aufgrund der Vulkanasche-Wolke zunächst ab und einigte sich schließlich noch vor einem Streik mit den Arbeitgebern.

GDL: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer sorgte vor allem mit ihren Streiks im Winter 2007/2008 für großes Aufsehen. Mit ihrem Ausstand schafften es die Lokführer, den Bahnverkehr massiv zu beeinträchtigen - obwohl nur vergleichsweise wenige Bahn-Beschäftigte ihre Arbeit niederlegten. Die Gewerkschaft mit rund 34.000 Mitgliedern vertritt das gesamte Fahrpersonal - neben den Lokführern also auch etwa Zugbegleiter. Ihr Tarifvertrag mit der Deutschen Bahn gilt trotzdem nur für Lokführer - auch für die der anderen Bahngewerkschaften. Die GDL wehrt sich gegen den Kurs von Transnet und GDBA, denen sie eine zu große Nähe zur Bahn vorwirft.

Marburger Bund: Der Marburger Bund vertritt angestellte und beamtete Ärzte in Deutschland. Er versteht sich als Deutschlands einzige Ärztegewerkschaft und ist mit über 108.000 Mitgliedern die größte Ärzteorganisation ihrer Art in Europa. Der Marburger Bund macht sich für ein Ende der Tarifeinheit stark, denn trotz seiner Größe muss er häufig hinter Verdi zurückstecken: Da in Krankenhäusern mehr anderes Personal arbeitet als Ärzte, gilt dort meist der Verdi-Tarifvertrag.

UFO: Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation vertritt das Kabinenpersonal der Fluggesellschaften. Flugbegleiter gründeten sie 1992, da sie sich von den großen Gewerkschaften nicht ausreichend gut vertreten sahen. Sie hat mittlerweile mehr als 10.000 Mitglieder und wird von mehreren Fluggesellschaften bereits als Tarifpartner für das Kabinenpersonal anerkannt. Streiks der UFO-Beschäftigten bei Lufthansa wurden im vergangenen Jahr in letzter Minute mit einer Tarifeinigung abgewandt. Auch derzeit verhandelt UFO wieder mit Lufthansa.

Vereinigung Cockpit: Auch die Vereinigung Cockpit sitzt als kleine Gewerkschaft an einem langen Hebel. Sie vertritt rund 8200 Piloten aller deutschen Airlines. Als die VC-Piloten bei Deutschlands größter Fluggesellschaft Lufthansa streikten, hoben nur noch wenige Flugzeuge ab. Die Gewerkschaft vertritt eine verhältnismäßig gut gestellte Berufsgruppe, die im Allgemeinen gut bezahlt ist und weitreichend regulierte Arbeitsbedingungen hat. Oft geht es in den Verhandlungen nun darum, das Erreichte gegen Einschnitte zu verteidigen.

 

 

 

 

Bundesarbeitsgericht, Beschlüsse vom 23. Juni 2010 - 10 AS 2/10 - und - 10 AS 3/10 -

                                                                                                                     

 

 

 

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Dienstag, 14.02.2012

 

 

Hafenjahr so gut wie nie zuvor



Bremerhaven/Hamburg. Das deutsche Wirtschaftswunder des vergangenen Jahres hat den Seehäfen Bremerhaven und Hamburg rasante Wachstumsraten beschert. Bremerhaven legte beim Gesamtumschlag um 22 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010 zu. Hamburg verbuchte ein Plus von 9,1 Prozent.

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„Ob Rotterdam, Antwerpen oder Hamburg – kein anderer Großhafen in Europa konnte in der maritimen Containerlogistik derart stark wachsen. Wir haben Marktanteile gewonnen“, sagte der Wirtschaftssenator des Landes Bremen, Martin Günthner (SPD), am Montag. Verantwortlich für das starke Wachstum im bisher erfolgreichsten Jahr der Hafengeschichte im Land Bremen waren das Plus beim Containerumschlag von 21 Prozent auf mehr als 5,9 Millionen TEU (Standardcontainer). Im größten deutschen Hafen in Hamburg wurden im gleichen Zeitraum mit knapp 9 Millionen TEU knapp 3 Millionen mehr als in der Seestadt umgeschlagen, allerdings war das Plus im Vergleich zum Vorjahr ein Drittel geringer bei 14,2 Prozent.

 

Wachstumsbringer in Bremerhaven war zudem der Autoumschlag. Mit 2,13 Millionen verschifften Autos – einem Plus von 30,4 Prozent im Vergleich zu 2010 – holte sich die Seestadt den ersten Platz in Europa zurück, der in der Krise 2008/2009 an Zeebrügge verloren gegangen war. Während Bremerhaven beim Gesamtumschlag deutlich um 22 Prozent auf 67,7 Millionen Tonnen zulegen konnte, setzte sich in Bremen-Stadt der Abwärtstrend fort. Dort sank der Umschlag um 2,3 Prozent auf 12,9 Millionen Tonnen. Nach jetzigem Stand gehen sowohl Hamburg als auch Bremerhaven von weiteren Wachstumsraten in diesem Jahr aus. Doch angesichts der sich abkühlenden Konjunktur rechnet man in Hamburg nur mit einem Plus von 5 bis 6 Prozent. (wil)

 

                                                                                        

 

 

BLG wehrt sich gegen Vorwurf
der Ungleichbehandlung


Gewerkschaft Contterm kritisiert Benachteiligung von GHB-Personal

 

VON ANNEMARIE STRUSS-V. POELLNITZ
Bremen. Auf dem Autoterminal Bremerhaven ist es kürzlich zu einer schweren Kollision von zwei Fahrzeugen gekommen, bei der die beiden beteiligten Fahrer so schwer verletzt wurden, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Diesen Vorfall hat die seit 2009 in Hamburg, Bremerhaven und Bremen aktive „Contterm, Fachgewerkschaft deutsche Seehäfen“ zum Anlass genommen, schwere Vorwürfe gegen die BLG zu erheben, die den Autoterminal betreibt. Das eine der beiden Fahrzeuge wurde von einem eigenen Fahrer der BLG gelenkt, das andere von einem Fahrer des Gesamthafenbetriebs (GHB), von dem die BLG und andere Hafenunternehmen regelmäßig Beschäftigte entleihen. Der Vorwurf von Contterm: Nicht nur bei diesem, auch bei vorhergegangenen Unfällen auf dem Terminal würden GHB-Fahrer schlechter behandelt als die der BLG. „Die Erfahrungen der letzten Monate erwecken den Eindruck einer Ungleichbehandlung in der Schuldfrage“, sagt der Contterm Vorsitzende Wolfgang Kurz. „Daneben zeigt die Bestrafungspraxis bei der BLG, dass nach Belieben Fahrverbote ausgesprochen werden.“ So sei im letzten Jahr ein GHB-Mitarbeiter wegen eines leichten Auffahrunfalls in einem Hochregallager für sechs Wochen gesperrt worden, während in einem anderen Fall ein BLG-Beschäftigter ohne Suspendierung weiterarbeiten durfte, obwohl es bei dem Unfall einen Verletzten gegeben habe. Contterm wirft der BLG auch vor, die sogenannte Unfallkommission würde „dazu missbraucht, unliebsame Mitarbeiter zu demütigen“.
Wolfgang Lemke, Betriebratsvorsitzender des BLG-Autoterminals, sowie BLG-Arbeitsdirektor Hartmut Mekelburg weisen die Vorwürfe zurück. „Jeder Unfall ist ein Unfall zu viel“, sagt Mekelburg. „Aber wir
arbeiten gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft intensiv daran, Unfallursachen auszuräumen.“ Laut Betriebsrat Lemke ist die Zahl der Unfälle im letzten Jahr um gut 16 Prozent gesunken. Jeder Unfall werde im Detail analysiert, mit den Fachkräften vor Ort, Vertretern des Betriebsrats und bei Beteiligung von GHB-Fahrern auch mit Betriebsräten des GHB. „Ich kann nicht ausschließen, dass sich jemand im Einzelfall ungerecht behandelt fühlt, aber eine generell unterschiedliche Behandlung von BLG- und GHB-Fahrern ist für mich nicht vorstellbar“, sagt Mekelburg. Auch Wolfgang Lemke sieht Mitglieder von Contterm nicht diskreditiert. „Wir betrachten den individuellen Fall, unabhängig von der Gewerkschaftszugehörigkeit“, versichert er.
Der Contterm-Vorsitzende Wolfgang Kurz hofft jetzt, dass die Berufsgenossenschaft möglichst bald ein Treffen mit Contterm und der BLG organisiert. Offen ist allerdings, ob Contterm überhaupt als Gewerkschaft anerkannt wird. Sie war 2009 aus Unzufriedenheit mit der Gewerkschaft Ver.di entstanden. Während der letzten Krise musste der GHB massiv Personal abbauen, die Tarife für einen Teil der Hafenbeschäftigten wurden abgesenkt. Etliche von ihnen warfen Ver.di damals vor, nicht hart genug verhandelt zu haben.

 

Weserkurier, 10.02.2012

                                                                                                                     

 

 

Donnerstag, 26. Mai 2011

 

Arbeitsgerichtsprozess

GHB in Bremen muss Gehälter nachzahlen

Auf den Gesamthafenbetriebsverein in Bremen (GHB) kommen voraussichtlich Lohnnachzahlungen in Millionenhöhe zu. Das ist das Ergebnis von Gerichtsverhandlungen vor dem Landesarbeitsgericht. Es ging dabei um den Streit zwischen dem GHB und gekündigten Hafenarbeiternn. Diese hatten gegen ihre Kündigung während der Wirtschaftskrise geklagt.

Eine Fahne der GHBV im Wind, davor steht eine stilisierte Justizia [Quelle: Montage Radio Bremen]

Der GHB ist zu hohen Gehaltsnachzahlungen verurteilt worden.

Der GHB muss voraussichtlich den Großteil der Hafenarbeiter wieder einstellen, die im Zuge der Krise entlassen wurden. Die Kündigungen seien zum überwiegenden Teil unrechtmäßig, sagte eine Sprecherin des Landesarbeitsgerichts. Damit hätten die ehemaligen Mitarbeiter auch Anrecht auf den Lohn, der ihnen seit der ungerechtfertigten Kündigung entgangen sei. Einem Sprecher der Arbeiter zufolge wären das pro Mitarbeiter mehrere zehntausend Euro.

Während der Wirtschaftskrise hatte der GHB rund 1.000 Mitarbeitern gekündigt. Etwa 100 von ihnen hatten dagegen geklagt und in der ersten Instanz Recht bekommen. Die meisten dieser Urteile wurden nun in der zweiten Instanz bestätigt. Rund 20 Fälle müssen in den kommenden Wochen noch entschieden werden. Der GHB war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen.

                                                                                          

 

verkehrs Rundschau

Aktuelle Nachrichten

Bremische Häfen Containerumschlag

Im März wurden in den Bremischen Häfen gut 501.000 TEU umgeschlagen

Luft- & Seefracht

Bremische Häfen: Beim Containerumschlag die Mitbewerber überflügelt

Bremen. Die Bremischen Häfen verspüren beim Güterumschlag einen kräftigen, belebenden Rückenwind. Rund 18,9 Millionen Tonnen und damit gut 16,7 Prozent mehr Güter gingen zwischen Januar und März über die Kaikanten des Zwei-Häfen-Bundeslandes, teilte die Hafengesellschaft Bremenports jetzt mit. Die Masse des Umschlaggeschäftes entfällt dabei auf Bremerhaven: 15,7 Millionen Tonnen (plus 19,9 Prozent). Auf die zentrumsnahen Hafenteile entfielen gut 3,2 Millionen Tonnen (plus 3,2 Prozent). Hinsichtlich der Verteilung der Ladungsströme gibt es ein fast ausgeglichenes Verhältnis bei Im- und Exporten. An Ausfuhren wurden im Berichtszeitraum gut 9,1 Millionen Tonnen Ladung bewegt (plus 16,6 Prozent), an Einfuhren waren es rund 9,7 Millionen Tonnen (plus 16,9 Prozent).

Bremer legen besonders stark zu

Was Bremenports-Geschäftsführer Holger Banik im Besonderen freut, ist die Entwicklung beim Containerumschlag. Der wuchs im Berichtszeitraum sogar um knapp ein Viertel auf 1,4 Millionen Standardcontainer (TEU). Zum Vergleich: Hamburg kam in den ersten drei Monaten auf einen Boxenumschlag von 2,1 Millionen TEU (plus 18,2 Prozent). Doch nicht nur den Mitbewerber von der Elbe konnten die Bremer „hinter sich lassen", so Banik. Auch gegenüber den wichtigen Westhäfen Rotterdam und Antwerpen konnten sich die Umschlagbetriebe an der Weser, was den prozentualen Zuwachs betrifft, besser schlagen. Als besonders starker Umschlagmonat erwies sich der März, als gut 501.000 TEU über die Terminals gingen.

Ein weiteres Kerngeschäft stellt für das Zwei-Häfen-Bundesland der Autoumschlag dar. Mit rund 489.000 Fahrzeugen wurden zwischen Januar und März gut 51 Prozent mehr Autos verladen beziehungsweise gelöscht. Vor allem der Erfolg von Fahrzeugen „Made in Germany" auf dem Weltmarkt arbeitet den Bremern zu. Das Plus beim Fahrzeugumschlag wird im Wesentlichen getragen durch die Ausfuhren, während die Importe bereits seit mehreren Monaten unter Druck stehen.

Offshore-Windkraft soll für frischen Wind sorgen

Künftig sollen die Bremischen Häfen auch im Offshore-Geschäft eine wichtige Rolle spielen. So plant das Land den Bau eines neuen Offshore-Terminals in Bremerhaven, der im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft bis 2014 realisiert werden soll. Aktuell geht es darum, im Rahmen eines internationalen Verfahrens die geeigneten Bewerber für das Projekt zu gewinnen. Der Terminal soll dabei – trotz privater Finanzierung – als „öffentlicher Terminal" genutzt werden. Das Land Bremen will ausdrücklich keinen „dedicated terminal" nur für ein Unternehmen.

Die BLG Logistics Group, die das Offshore-Geschäft als neues Betätigungsfeld erschließen will, gab jetzt das grüne Licht für eine bedeutende Offshore- Investitionsentscheidung. 20 Millionen Euro sollen in den Aufbau neuer Dienstleistungen investiert werden. Kernbestandteile sind der Kauf von leistungsstarken Mobilkranen sowie die Herrichtung einer bislang im Bereich des Autoterminals Bremerhaven genutzten Fläche für Offshore-Aufgaben. Damit soll sichergestellt werden, dass künftig Teile für den neuen Nordsee-Offshore-Windpark „Global Tech One" über Bremerhaven auf die Spezialschiffe verladen werden können. Die Komponenten selbst werden im Windkraft-Cluster von Bremerhaven gefertigt. Er konzentriert sich auf den Bereich des ehemaligen Fischereihafens. (eha)

                                                                                    

 

Sonntagsjournal

22.05.2011

 

 

Hafenumschlag ist überdurchschnittlich gewachsen
Seegüter-Plus von 16,7 Prozent im ersten Quartal – Ein- und Ausfuhr von Autos legt um 51 Prozent zu

 

BREMERHAVEN (stp). Die bremischen Häfen verzeichnen im ersten Quartal des Jahres ein überdurchschnittliches
Wachstum. Der Gesamtumschlag in Bremerhaven und Bremen stieg laut Häfenressort um 16,7 Prozent auf 18,9 Millionen Tonnen Seegüter. Zum Vergleich: Im ersten Quartal des Vorjahres wurden nur 16,2 Millionen Tonnen umgeschlagen.
„Damit knüpfen wir dort an, wo wir 2008 waren“, sagte der Bremer Wirtschafts und Häfensenator Martin
Günthner (SPD). Besonders gut entwickelte sich der Containerumschlag als Kerngeschäft der bremischen Häfen.

Hier wurde mit mehr als 1,4 Millionen verladenen Standard-Containern (TEU) eine überdurchschnittlich hohe Steigerung von 24,9 Prozent erzielt. Im Vergleichszeitraum 2010 waren es rund 1,1 Millionen TEU. Einen beachtlichen Zuwachs gab es auch in der jüngsten Entwicklung beim Autoumschlag. Im Zeitraum von Januar bis März 2011 stieg die Zahl der verladenenFahrzeuge auf fast 486 000 an. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einer Steigerung von rund 51 Prozent. Mit knapp 171000 Fahrzeugen erzielte der Autoumschlag im Monat März ein besonders gutes Ergebnis.

Zurück auf dem Wachstumspfad

Es sei nicht ausgeschlossen, dass die bremischen Häfen im Jahr 2011 wieder die ehemalige Bestmarke von zwei Millionen ein- und ausgeführten Fahrzeuge erreichen können, so das Häfenressort. Während sich der Umschlag von Massengut mit 2,2 Millionen Tonnen in den bremischen Häfen im Vergleich zum ersten Quartal 2010 praktisch nicht veränderte, stieg der Stückgutumschlag inklusive Containern um 19,7 Prozent auf 16,7 Millionen Tonnen. „Unsere Häfen sind endgültig auf den Wachstumspfad zurückgekehrt“, meint Günthner.
„Weil sie gut aufgestellt sind, profitieren sie besonders stark von den konjunkturellen Impulsen aus der Weltwirtschaft.“
Mit einem Containerumschlag von rund 500000 TEU im März 2011 habe der Hafen den Spitzenwert von 443000 TEU im
März 2010 deutlich hinter sich gelassen. Am Standort Bremerhaven wurden im ersten Quartal dieses Jahres insgesamt 15,7
Millionen Tonnen Seegüter umgeschlagen – 19,9, Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bremen-
Stadt brachte es mit 3,2 Millionen Tonnen auf ein Plus von 3,2 Prozent.

                                                                                          

und dann sowas.......

 

Mehr Geld für Hafenarbeiter

HAMBURG.

Die rund 15 000 Beschäftigten in den deutschen Seehäfen bekommen
ab nächsten Monat 3,9 Prozent mehr Geld. Darauf haben sich die Gewerkschaft
Verdi und der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) geeinigt.
Für die Beschäftigten in Vollcontainerbetrieben wurde darüber hinaus eine jährlich
wiederkehrende Zahlung in Höhe von 300 Euro vereinbart.

                                                     

 

 

Austritte bei Verdi
Langjährige Mitglieder gehen im Zorn 

 

 BREMERHAVEN (awi).

Der harte Kurs gegen die Zeitarbeitsfirma „Personal Aktiv“ kostet die Gewerkschaft Verdi viele, vor allem langjährige Mitglieder: Wie das SJ erfuhr, erklärten zahlreiche prominente Gewerkschaftsmitglieder ihren Austritt: Die ehemalige SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Gerlinde Berk beispielsweise, die Anfang Mai die Verdienstmedaille der Stadt Bremerhaven erhalten hatte: Sie hat Verdi nach 56 Jahren Mitgliedschaft aus Verärgerung den Rücken gekehrt. Auch Feuerwehrdezernent Jörn Hoffmann (SPD), Stadträtin Anita Matthiessen, Magistratsdirektor Ulrich Freitag, AFZ-Prokuristin Gisela Rütemann und Faden-Geschäftsführerin Sabine Markmann haben die Mitgliedschaft gekündigt.

Im Hafen hat Verdi nach SJ-Informationen zum Ende vergangenen Jahres mehr als 150 Mitglieder verloren –
überwiegend aus Verärgerung über Tarifverträge und Sozialpläne.
Dass das Thema Zeitarbeit auch in der SPD unterschiedlich bewertet wird, zeigt eine Stellungnahme der
Jusos. Juso-Vorsitzender Kevin Lenkeit kritisiert Oberbürgermeister Melf Grantz und Sozialdezernent Klaus Rosche dafür, dass sie an dem Zeitarbeit-Event im Conference-Center teilgenommen hatten. Dadurch werde der „massive Einsatz“ von Zeitarbeitern, zum Beispiel in der Windenergie, „salonfähig gemacht“.

 

Sonntagsjournal

22.05.2011

 

                                                                                                     

 

 

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Mittwoch, 18. Mai 2011

 

 

Kuschelt BLG mit Zeitarbeit?

 


Bremerhaven. Bislang hieß es, die stadteigene Zeitarbeitsfirma „Personal Aktiv“ habe nur ausnahmsweise der BLG mit Leiharbeitern Ende vergangenen Jahres im Hafen ausgeholfen. Aber das glaubt die Gewerkschaft Verdi nicht mehr. Sie geht davon aus, dass die BLG und „Personal Aktiv“ enger als bislang angenommen miteinander verbunden sind. Die BLG weist das jedoch zurück. Von Klaus Mündelein

 

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Die BLG-Kajen werden von Mercedes-Limousinen für den Export überschwemmt. Zu Jahresbeginn wurden händeringend Fahrer gesucht. Deshalb kamen auch Zeitarbeitsfirmen wie „Personal Aktiv“ zum Einsatz. Die Gewerkschaft Verdi vermutet, dass mehr hinter der Verbindung steckt. Foto dh
 

Die Beteiligungsliste des „Ausbildungsverbundes Bremerhaven“ scheuchte die Gewerkschafter jetzt auf. Die gemeinnützige Gesellschaft bildet junge Leute in Metallberufen aus. Größter Anteilseigner ist die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG). Zweitgrößter Anteilseigner ist laut Verdi das stadteigene Arbeitsförderungszentrum (AFZ), das von SPD-Chef Siegfried Breuer geleitet wird. Geschäftsführer des „Ausbildungsverbundes“ ist Gerrit Michaelis, gleichzeitig Chef der AFZ-eigenen Zeitarbeitsfirma „Personal Aktiv“.

Nach Ansicht von Verdi-Vorstandsmitglied Sascha Schomacker muss die BLG ihren Segen zur Berufung von Michaelis gegeben haben. Und kurz danach, so Schomacker, kam „Personal Aktiv“ im Hafen zum Einsatz. Das Bekenntnis der BLG zum Gesamthafenbetriebsverein bekommt in den Augen von Schomacker Risse, wenn man „einen Vertreter der Zeitarbeitslobby“ zum Geschäftsführer macht.

BLG-Arbeitsdirektor Hartmut Mekelburg widerspricht dieser Darstellung. Er habe gar nicht mitbekommen, dass Michaelis im Oktober vergangenen Jahres zum Geschäftsführer des Ausbildungsverbundes ernannt worden ist. Die BLG sei hier nur passive Teilhaberin. „Wir wollten damals dem Ausbildungsverbund helfen und sprangen ein, als die SSW-Werft ausgefallen war“, sagt Mekelburg. Mit „Personal Aktiv“ gebe es deshalb keine besonderen Verbindungen. Als man zum Jahreswechsel dringend Fahrer im Hafen benötigte, habe man alle Zeitarbeitsfirmen angesprochen.

Verdi betrachtete damals den Einsatz von Zeitarbeitsfirmen im Hafen als Angriff auf den Gesamthafenbetriebsverein (GHB), der für die Personalreserve im Hafen zuständig ist und nach Hafentarif bezahlt. Das ist das Prinzip „gleiches Geld für gleiche Arbeit“, das Verdi grundsätzlich in der Zeitarbeit verlangt. Weil das derzeit nicht der Fall ist, kritisiert Verdi die Stadt, die über das AFZ die Zeitarbeitsfirma „Personal Aktiv“ betreibt.

Dass in der Firma SPD-Chef Siegfried Breuer das Sagen ist, gibt den Spannungen weitere Brisanz. Inzwischen hat sich die Geschichte zu einem handfesten Streit zwischen SPD und der Gewerkschaft ausgewachsen, in dem sich gegenseitig Unredlichkeit vorgeworfen wird.

Inzwischen rumort es auch in Breuers Gesellschaften. Im AFZ wird jetzt ein Betriebsrat gewählt. Laut Verdi haben sich genügend Bewerber gefunden, so dass am 10. Juni der Betriebsrat gewählt werden kann. Weil die Mittel für die Arbeitsmarktpolitik geringer werden, fürchten Mitarbeiter um ihre Jobs. Und sie hinterfragen, ob das Geld richtig ausgegeben wird. Musste das AFZ wirklich bei der Sail ein Schiff für einen Empfang anheuern (3950 Euro) und dort 2074 Euro für Getränke und 3936 Euro für Häppchen ausgegeben?

 

                                                                                                                    

 

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Dienstag, 10. Januar 2012

 

 

 

Grausame Unfälle im Hafen


Bremerhaven. Wie riskant ist die Arbeit im Hafen? Die Gewerkschaft Contterm spricht von lebensgefährlichen Jobs, von schweren Mängeln, von Stürzen von den Zügen. Sie stellt eine „hohe Unfalllastigkeit“ fest und beruft sich dabei auf Beobachtungen der Mitglieder. Die BLG widerspricht: Tatsächlich sei die Zahl der schweren Unfälle von 2010 bis 2011 um 16 Prozent gesunken. Von Klaus Mündelein


Über die Anzahl der Unfälle gibt es keine konkreten Angaben seitens der BLG. Auch zu den Vorwürfen der kleinen Hafenarbeitergewerkschaft Contterm gibt es keine detaillierte Stellungnahme. Contterm fordert die BLG hingegen auf, ein neues Sicherheitskonzept für das Autoterminal zu entwickeln und dazu mit der Berufsgenossenschaft Handel/Warendistribution zusammenzuarbeiten. Laut Contterm-Vorsitzenden Wolfgang Kurz ist besonders die Arbeit auf der Landseite bei der Zugentladung gefährlich. „Vom einfach umgefahrenen Kollegen bis zur Kollegin, die vom Zug gefallen ist, waren alle Grausamkeiten dabei“, sagt er.

Besonders eng gehe es auf den Autozügen zu. Die seien in den 60er Jahren konzipiert worden, als die Autos noch schmaler gewesen seien. Inzwischen seien die Karossen aber breiter, und so würde es für die Arbeiter immer enger und gefährlicher, besonders bei schlechtem Wetter und Frost. Bei den schnellen Entladungsvorgängen, dem so genannten „Auskippen“, müssten die Mitarbeiter hochkonzentriert sein. So ein Tempo legten die Hersteller nicht vor, wenn sie die Züge beladen.

Gequetschte Finger bemängelt Contterm als Risiko beim Lösen von Fahrzeughalterungen auf den Zügen. Sie fordert den verstärkten Einsatz von Spezialisten, die nichts anderes machen. Durch ihren Einsatz könne die Unfallhäufigkeit in diesem Bereich deutlich abgesenkt werden.

Weiterhin fordert die Gewerkschaft, dass die Entladung von unbeleuchteten, geschlossenen Waggons nur bei Tageslicht vorgenommen wird. In den stockdunklen Waggons drohe Rutschgefahr. Außerdem sei die Lärmbelästigung beim hydraulischen Absenken der Dächer so groß, dass die Mitarbeiter mit entsprechendem Hörschutz ausgerüstet werden müssten.

Schließlich kritisieren die Gewerkschafter das Handyverbot, das auf dem Autoterminal herrschen soll. Wer unter Herz-Kreislauf-Problemen leide und im Bereich des hinteren Nordhafens einen Anfall bekomme, brauche schon sehr viel Glück, um zufällig zwischen den Fahrzeugen entdeckt zu werden. Außerdem gebe es keine zentrale Notfallnummer bei der BLG.


                                                                                                                                                         

 

 

                                                                                                   

 

 

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Sonntag, 18. Dezember 2011

 

 

„Mehr Lohn für Hafenarbeiter“

Bremerhaven. Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Wolfgang Jägers (Foto) hat für einen Großteil der GHB-Mitarbeiter mehr Lohn gefordert. Rund 1400 Mitarbeiter des Gesamthafenbetriebsvereins würden nur 8,22 Euro pro Stunde verdienen, sagte der Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD. Dies sei nicht hinnehmbar. Hier seien die Hafenbetriebe gefordert. Von Denise von der Ahé

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Es könne nicht sein, dass die rot-grüne Landesregierung ein Landesmindestlohngesetz auf den Weg bringen wolle und beim GHB weiter weniger als 8,50 Euro gezahlt werde. Dies sei die unterste Grenze, sagte Jägers. Nach dem geplanten Landesmindestlohngesetz sollen alle, die direkt oder indirekt für das Land Bremen arbeiten, mindestens 8,50 Euro pro Stunde erhalten.

„Der Tarifvertrag muss so geändert werden, dass der Lohn steigt“, forderte Jägers. „Es kann nicht sein, dass jemand acht Stunden am Tag arbeitet und davon nicht leben kann.“ Es gehe dabei um die Würde des arbeitenden Menschen. Ziel sei „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, betonte Jägers. Mitarbeiter des Gesamthafenbetriebsvereins dürften daher gegenüber anderen Hafenarbeitern nicht benachteiligt werden. „Die Geschäftsführung beklagt, dass sie keine Leute findet“, sagt Jägers. „Das wundert mich nicht.“ Dann müssten sie die Menschen anständig bezahlen. Vom Geschäftsführer des Gesamthafenbetriebsvereins, Hubertus Ritzke, war am Freitag keine Stellungnahme zu bekommen.

 

                                                                                 

 

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Freitag, 16. Dezember 2011
 
 
 

 

 

Job nur mit Verdi-Ausweis?


Bremerhaven. Den Job im Hafen gibt es nur, wenn man der Gewerkschaft Verdi beitritt? Diesen ungeheuerlichen Vorwurf erhebt die kleine Konkurrenzgewerkschaft Contterm. Sie wirft Peter Frohn (Foto) vor, Druck auf neue Mitarbeiter auszuüben. Der Verdi-Mann und Betriebsratvorsitzende des Gesamthafenbetriebsvereins (GHB) wehrt sich: „Das ist absoluter Tinnef.“ Von Klaus Mündelein

 

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Ohne Gewerkschaft geht nichts, sagt Peter Frohn, Betriebsratsvorsitzender des Gesamthafenbetriebsvereins (GHB). Er wirbt für Verdi. Aber er würde auf niemanden Druck ausüben, in seine Gewerkschaft einzutreten. Genau das wirft die Konkurrenz von Contterm ihm vor. Foto fs
 
 

Am Sonntag ist Betriebsversammlung beim GHB. Dazu werden auch die Vertreter der beiden Gewerkschaften anwesend sein. Und da, so Frohn, wird das Thema auf den Tisch gebracht. So macht man das im Hafen, zu juristischen Schritten will er nicht greifen. Für Frohn ist Contterm auch keine richtige Gewerkschaft. „Die sind nicht einmal im Deutschen Gewerkschaftsbund, und kein Arbeitgeber wird mit denen verhandeln.“

Contterm gehört zum christlichen Gewerkschaftsbund, will dort aber ausscheren. Gewerkschaftschef Wolfgang Kurz bemüht sich seit Wochen, Druck auf Verdi auszuüben. In etlichen Erklärungen attackiert er die Gewerkschafter, wirft ihnen vor, unhaltbare Arbeitsverhältnisse zu tolerieren. Zum Beispiel die Einstellung von Hafenarbeitern in Teilzeit, die aber Vollzeit arbeiten müssen. Und jetzt die persönliche Attacke gegen Frohn.

Der würde in Gruppengesprächen bei den Bewerbern den Eindruck erwecken, ohne Verdi-Mitgliedschaft gebe es keine Beschäftigung und keine Hilfe des Betriebsrats, behauptet Kurz. Erst danach würden die Einstellungsverträge zur Unterschrift ausgegeben. Diese Vorwürfe untermauert Ex-Verdi-Mann Sascha Schomacker. Der liegt derzeit mit den Gewerkschaftskollegen heftig im Clinch, hat seinen Vorstandsposten verloren und ist nun ausgetreten. Kurz fordert Verdi auf, die ungewöhnlich hohe Anzahl an Anträgen zu überprüfen.

Beim GHB hat es in den vergangenen Monaten etliche Neueinstellungen gegeben. Noch nie war der Betrieb so groß. 2650 Beschäftigte hat er derzeit laut Frohn. Der Betriebsratsvorsitzende macht keinen Hehl daraus, dass für ihn eine starke Gewerkschaft das Wichtigste ist. „Wenn wir nicht so hoch organisiert wären, hätten wir für Wilhelmshaven keinen GHB durchsetzen können.“ Da habe es schon Gespräche mit Zeitarbeitsfirmen gegeben. Aber Druck auf neue Mitarbeiter ausüben, um sie zum Eintritt zu bewegen? „Blödsinn“, sagt Frohn.

 

 

260 Euro Erholungsbeihilfe

Die meisten würden schon deshalb zu Verdi kommen, weil ausschließlich die Hafenarbeiter mit Mitgliedsausweis jährlich eine sogenannte Erholungsbeihilfe in Höhe von 260 Euro bekommen. Man habe die Gesprächsrunden gerade als Gruppengespräche organisiert, damit nicht nachher gemunkelt wird, in Einzelgesprächen würden die Leute unter Druck gesetzt.

 

Frohn gehen die Attacken inzwischen auf die Nerven. Auch die Abqualifizierung befristeter Jobs und Teilzeitarbeitsverhältnisse ärgert ihn. Ohne die Teilzeitverträge würde man gar nicht so viele Leute einstellen können. Und ein 30-Stunden-Job beim GHB sei weit besser als ein Job bei einer Zeitarbeitsfirma.

„Die Vorwürfe sind abenteuerlich, an den Haaren herbeigezogen“, sagt Verdi-Fachbereichsleiter Dirk Reimers. Man könne Verdi kritisieren, aber nicht in dieser Form als Spalter der Gewerkschaft auftreten.

 

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Ohne Gewerkschaft geht nichts, sagt Peter Frohn, Betriebsratsvorsitzender des Gesamthafenbetriebsvereins (GHB). Er wirbt für Verdi. Aber er würde auf niemanden Druck ausüben, in seine Gewerkschaft einzutreten. Genau das wirft die Konkurrenz von Contterm ihm vor. Foto fs
 
                                                                                                          

 

                                                                        

Sonntagsjournal vom 11.12.2011

                                                                                                                                                                                  

Nordsee-Zeitung  09.12.2011

                                                                                                                                                                                                    


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Donnerstag, 21. Juli 2011

GHB kann keine höheren Löhne zahlen

Bremerhaven. Mit einem „Frühwarnsystem“ will der Gesamthafenbetriebsverein (GHB) in Zukunft Wirtschaftskrisen erkennen. Von der jüngsten hat er sich finanziell noch nicht erholt, räumte Geschäftsführer Hubertus Ritzke bei einer Veranstaltung mit Hafenarbeitern ein. Grund: Rund 300 haben gegen ihre Entlassung geklagt und Abfindungen von bis zu 30 000 Euro erstritten.

Jetzt hat GHB-Fahrer Jannis Kappmeier wieder etwas zu tun: Gestern fuhr er mit seinen Kollegen 2600 Fahrzeuge auf den Autotransporter „Antares Leader“. Doch die Krise ist noch immer spürbar. Foto eer


Mittlerweile sei die Krise im Hafen vorbei. Die dramatischen Einbrüche beim Auto- und Containerumschlag seien überwunden: „Wir sind wieder auf dem Level wie vor der Krise“, sagte Ritzke vor rund 50 Beschäftigten, die zur Sitzung der SPD-Betriebsgruppe Hafen gekommen waren. Unter ihnen waren auch viele „GHB-Rebellen“, die sich gegen ihre Entlassung erfolgreich zur Wehr gesetzt hatten.

Eine Krise gebe es immer mal wieder, so Ritzke: „Das, was dem GHB hier passiert ist, ist so ziemlich das Schlimmste in seiner Geschichte gewesen.“ Das Geld sei schneller aus der Garantielohn-Kasse geflossen als neues hereinkam, begründete Ritzke die folgende Entlassungswelle.

Ob das derzeitige Umschlaghoch Bestand haben werde, vermochte Wolfgang Lemke, Konzernbetriebsratschef von BLG-Logistics, nicht konkret einzuschätzen. „Dass BMW und Mercedes für weitere drei Jahre die Fahrzeuge ab Bremerhaven verschiffen wollen, ist ein wichtiges Signal für den Standort. Aber ich kann die Chinesen nicht einschätzen.“

Deshalb begrüßte er die Entscheidung des Umschlagunternehmens, sich in der Windkraftbranche zu etablieren. Wie weit davon auch die Beschäftigten des größten Leiharbeitgebers im Hafen profitieren könnten, werde die Entwicklung zeigen.

Die Bedeutung des GHB als Non-Profit-Unternehmen im Umschlaggeschäft betonte Dirk Reimers, Landesfachgruppenleiter der Gewerkschaft Verdi: „Die Beschäftigten des GHB sind keine Arbeiter 2. Klasse“, stellte er klar. Dennoch gebe es ein unterschiedliches Lohnniveau im Umschlagvergleich, kritisierte GHB-Rebell Olaf Thun. „Motivierte Menschen schaffen Produktivität“, so sein Argument. Eine Absage erteilte Ritzke in der Runde dem Wunsch nach höheren Löhnen: „Nach Kassenlage sind wir noch längst nicht dort, wo wir hin müssen.“

Dass die Garantielohn-Kasse durch etwa sechs Millionen Euro belastet würde, die für die Abfindungen aus der jüngsten Krise fällig würden, wollte der Geschäftsführer nicht kommentieren. Für die Zukunft müsse man ein Frühwarnsystem aufbauen, um solch heftige Verwerfungen wie in der jüngsten Krise zu vermeiden, zeigten sich die Teilnehmer der Runde einig. Der GHB beschäftigt in den Häfen im Lande Bremen wieder mehr als 2000 Menschen. (guh)

                                                                                                     

 

SPD aktiv für Zeitarbeit

EQUAL PAY Die SPD will Leiharbeit begrenzen und gleiche Arbeitsbedingungen für Zeitarbeiter. Außer in Bremerhaven: Da betreiben SPDler selbst eine Leiharbeitsfirma und schaffen der Zeitarbeitslobby ein Podium

VON ARMIN SIMON

Den "Missbrauch von Leiharbeit beenden" - für solche Vorstöße im Bundesrat heimst die rot-grüne Bremer Landesregierung des Öfteren Lob ein. Ebenso wie für den Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde, den das Bremer Tariftreuegesetz für die meisten öffentlichen Aufträge vorschreibt.

Die "Bekämpfung von Dumpinglöhnen" ist erklärtes politisches Ziel der Koalition - die SPD-Oberen in Bremens Schwesterstadt Bremerhaven jedoch nehmen es damit nicht allzu genau. Sie betreiben vielmehr selbst eine Zeitarbeitsfirma: Personal Aktiv heißt diese, sie ist zu hundert Prozent in Besitz der Stadt, Geschäftsführer sind der Bremerhavener SPD-Vorsitzende Siegfried Breuer und dessen Parteikollege Gerrit Michaelis.

Nach Auffassung von Ver.di unterstützt Personal Aktiv Unternehmen dabei, "den Kündigungsschutz zu umgehen", sagt Sascha Schomacker, in Sachen Leiharbeit aktives Mitglied der Gewerkschaft in Bremerhaven. Die Stadt bereichere sich durch "Ausbeutung von Zeitarbeitern". Das schade der Glaubwürdigkeit der Politik.

Ver.di forderte den Magistrat und die Stadtverordneten inzwischen öffentlich auf, sich "als Stadt Bremerhaven aus der stadteigenen Zeitarbeitsfirma Personal Aktiv zurückzuziehen". SPD-Chef Breuer müsse sich entscheiden, ob er nun SPDler oder Geschäftsführer einer Zeitarbeitsfirma sein wolle, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bremerhaven, Sülmez Dogan.

Ver.di ist besonders sauer, dass Personal Aktiv unter der Ägide der beiden SPD-Geschäftsführer auch noch eine "Lobbyveranstaltung für die Zeitarbeit" auf die Beine stellt: Beim zweiten "Bremerhavener Zeitarbeit-Event" diskutieren Vertreter des Bundesverbands der Zeitarbeit (BZA), Geschäftsführer von Zeitarbeitsfirmen und SPD-Größen aus Bremerhaven die Vorteile der prekären Beschäftigung - zum Teil in Personalunion. Eingeladen haben Breuer und Michaelis als Geschäftsführer von Personal Aktiv. Michaelis, der im Zweitjob Bezirkssprecher des Bundesverbands der Zeitarbeit (BZA) ist, wird die Begrüßung sprechen - und das Wort an den Vize-Chef des BZA übergeben, einen der Hauptredner. "Wachstumsbranche Zeitarbeit als Jobmotor" ist die Veranstaltung überschrieben. Der Oberbürgermeister von Bremerhaven, Melf Grantz, auch er SPDler, adelt sie mit einem Grußwort.

Der Bremerhavener DGB-Vorsitzende Karsten Behrenwald, der ebenfalls geladen ist, ging gestern auf Distanz. Er sei lediglich Gast einer Podiumsdiskussion und werde dort die Position der Gewerkschaften vertreten: Leiharbeit dürfe nur "zeitlich begrenzt" eingesetzt werden, um Produktionsspitzen abzudecken. Außerdem müsse "100 Prozent equal pay" gelten - die LeiharbeiterInnen also nicht nur dasselbe Gehalt wie ihre fest angestellten KollegInnen erhalten, sondern auch dieselben Rechte, Urlaubsansprüche und Ähnliches bekommen. "Diese Kriterien sind bei Personal Aktiv nicht erfüllt", stellt Behrenwald klar. Personal Aktiv sei in diesem Punkt nicht besser als jede andere Firma in der Branche.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Bremer Grünen, Silvia Schön, hat die umstrittene Firma des SPD-Chefs zum Thema einer Anfrage in der Bürgerschaft gemacht. Auf ihre Frage, wie lange die Leiharbeitskräfte jeweils beschäftigt worden seien, erhielt sie allerdings keine Antwort. Dazu gebe es "keine statistischen Erhebungen", hieß es. Schön vermutet ein "großes Karussell" der LeiharbeiterInnen, die der Reihe nach bei verschiedenen Unternehmen eingesetzt und schlussendlich wieder bei Personal Aktiv landen würden: "Dieser Vorwurf steht zumindest im Raum."

Personal Aktiv verleiht mehrere hundert ArbeitnehmerInnen an Logistik- und andere Gewerbe, im Jahr 2009 setzte sie rund 6 Millionen Euro um. Allein 26.000 Euro gingen für Geschenke, Bewirtungs- und Werbungskosten drauf, weitere 7.800 Euro für "Bonuszahlungen an Kunden". Welche Gehälter die Geschäftsführer beziehen, geht aus den Zahlen nicht hervor. Künftig sollen gar keine Details mehr öffentlich werden: Die kommunale Firma, formal eine "kleine Kapitalgesellschaft", sei nicht verpflichtet, Geschäftsberichte vorzulegen, teilten ihre Geschäftsführer dem Aufsichtsrat der Muttergesellschaft mit. Deren Geschäftsführer ist ebenfalls: Siegfried Breuer.

Nach eigenen Angaben zahlt Personal Aktiv den Leiharbeitern zwar seit März den Bremer Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde. Ob das allerdings auch gilt, wenn die Leiharbeiter in den Betrieben arbeiten, bleibt offen. Zu den politischen Zielen von Rot-Grün, sagt Schön, stehe die Firma in SPD-Händen daher "mindestens ideell in Widerspruch".

Nach Auffassung von Ver.di hilft Personal Aktiv dabei, "den Kündigungsschutz zu umgehen".

 

Quelle: taz vom 20.04.2011

                                                                       

 

 

 

 

Ja nee, is klar.......!!!!

                                                                

 

 

Der Ärger im Hafen dauert an


Bremerhaven. Der Hafen brummt, aber die Hafenarbeiter drehen zu Hause Däumchen. Und während der Gesamthafenbetriebsverein (GHB) von Personalmangel redet, blüht die Zeitarbeit. Was nach Irrsinn klingt, hat nach Ansicht des Christlichen Gewerkschaftsbundes Methode. Von Klaus Mündelein
 

 
Der Autoexport sorgt für Arbeit im Hafen. Aber bei der Verteilung der Arbeit gibt es Streit. Foto eer

Der GHB ist nach Ansicht des Landesverbands der Gewerkschafter selbst Schuld an der Misere. Es sei vollkommen unverständlich, dass sich der Personaldienstleister des Hafens trotz des sich abzeichnenden Aufschwungs geweigert habe, die zuvor entlassenen Mitarbeiter wieder einzustellen.

Deshalb habe man den Personalbedarf der BLG nicht decken können. Die Lücke hätten dann Zeitarbeitsfirmen gefüllt, die gern auf die erfahrenen Ex-Beschäftigten des GHB zurückgegriffen hätten.

Der GHB, so der Christliche Gewerkschaftsbund weiter, setze hingegen auf Neueinstellungen. Dabei würde für die vierwöchige Qualifizierung der Neuen die Bundesagentur für Arbeit aufkommen. Interessenten würden mit dem Versprechen auf Festanstellung angeworben.

 

Nur befristeter Vertrag

Tatsächlich aber erwarte die Absolventen nach der Qualifizierungsmaßnahme nur ein kurzzeitiger, befristeter Vertrag ohne Garantie auf Verlängerung. Die Gewerkschafter nennen es einen Skandal, wie hier die Kosten der Mitarbeiterbeschaffung der Allgemeinheit aufgebürdet würden.

Die GHB-Führung äußerte sich nicht zu den Vorwürfen des Christlichen Gewerkschaftsbunds.

Die Bremerhavener Agentur für Arbeit widersprach der Darstellung, sie würde für die Kosten der Qualifizierung aufkommen. „Die Anforderungen an die Fahrer sind nicht so hoch, dass die Agentur eine Qualifizierung bezahlen würde“, sagte Sprecherin Sabine Giese. Interne Qualifizierungmaßnahmen der BLG oder des GHB würde die Agentur ebenfalls nicht bezahlen.

Der Christliche Gewerkschaftsbund appelliert auch an die BLG, selbst mehr Personal einzustellen und bei Engpässen auf Kollegen von Eurogate anstatt auf Zeitarbeitsfirmen zurückzugreifen. Viele GHB-Mitarbeiter, die auf Anforderungen warten (Rote Karten), sind verärgert. Weil ihnen Zeitarbeitsfirmen die Arbeit wegnehmen, haben sie weniger zu tun.

Aber es gibt auch Anrufer, die dem GHB den Rücken stärken. „Mit mir gehen sie anständig um“, sagte ein Hafenarbeiter. Und er erinnert daran, dass die BLG in der Krise den GHB unter Druck gesetzt hatte.

Keine Festanstellung

Jessica Böhm aus Midlum arbeitet auch als „Rote Karte” im Hafen. Während die Reden zum internationalen Frauentag noch nachhallen, beklagt sie sich darüber, dass sie als Frau keine Festanstellung bekomme. Dabei arbeite sie fehlerfrei.

„Ich habe noch keine Schramme an ein Auto gefahren. Und ich bin kein Weichei“, sagt sie mit Blick auf die Tatsache, dass sie die Nachtschicht von 18 bis 2 Uhr bevorzugt.

Quelle: Nordsee-Zeitung

                                                                    

Quelle: Nordsee-Zeitung 09.03.2011

                                                                     

 

 

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Samstag, 5. März 2011
 

 

 

Immer mehr Leiharbeiter im Hafen: Der Ton wird schärfer

Bremerhaven. Der Ton im Streit um Leiharbeiter im Hafen wird schärfer: Gestern verteilte die Gewerkschaft Verdi rund 500 Flugblätter an die Hafenarbeiter. Tenor: „Es reicht – Verstöße gegen die Verwaltungsordnung durch bestimmte Hafenbetriebe müssen ein Ende haben. Kein Einsatz von Leiharbeitern ohne Not.“

Gerichtet sei die Kritik an bestimmte Hafenunternehmen, die Leiharbeiter einstellten statt Mitarbeiter des Gesamthafenbetriebsvereins (GHB), sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Marco Otten. „Wir haben uns in einem Gespräch massivst auseinandergesetzt“, berichtet er. „Gewisse Dinge werden wir nicht mehr akzeptieren.“ Ziel sei, dass vorrangig GHB-Mitarbeiter zum Einsatz kämen. Leiharbeiter richteten „mehr Schaden an als sie nutzten“, so Otten weiter. Der für Bremen zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Harald Fengler spricht von einer „großen Kontroverse mit der BLG“.

Auch der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Harry Nestler nennt „die Arbeitsmarktpolitik mit vielen verschiedenen Zeitarbeitsfirmen im Hafen skandalös“. Dabei seien Leiharbeiter für die Firmen teurer als eigene Kräfte. Früher hätten der GHB und das Logistikunternehmen BLG ihr Personal über eigene Zeitarbeitsverträge mit der Chance auf einen Festvertrag eingestellt. „Jetzt gibt es zwar ständig steigende Arbeitsplätze in großer Anzahl, aber als Folge werden keine Zeitverträge mehr durch die Unternehmen ausgestellt“, so Nestler. „Stattdessen machen immer mehr Zeitarbeiter aus Zeitarbeitsunternehmen, zum Beispiel aus Hamburg, unseren Arbeitskräften die Arbeit streitig.“ Dabei gebe es in Bremerhaven rund 14 000 Arbeitslose.

Die Hamburger Firma Mundial RoRo sei auf Initiative der BLG im Hafen eingesetzt worden, sagt GHB-Geschäftsführer Hubertus Ritzke. „Wir koordinieren die Einsätze, der Verleiher ist Mundial, der Entleiher ist die BLG“, betont er. Die Situation mit Leiharbeitern schätze der GHB nicht besonders. „Wir sind daher bemüht, gemeinsam mit der BLG einen Weg zu finden, wie wir den Einsatz reduzieren können“, so Ritzke. Im Gespräch mit der NORDSEE-ZEITUNG hatte BLG-Pressesprecher Hartmut Schwerdtfeger vor kurzem hingegen gesagt, dass der GHB selbst das Hamburger Unternehmen in den Hafen geholt habe. Dem Vernehmen nach soll es bereits Schadensersatzforderungen von Reedern gegen die BLG geben, weil Schiffe wegen fehlender Arbeitskräfte nicht pünktlich abgefertigt worden seien. Von der BLG war gestern keine Stellungnahme zu bekommen.

 

                                                                  

Weserkurier vom 10.03.2011

                                                                                     

Quelle: Bildzeitung 05.03.2011

                                                                   

Zeitarbeitsfirma erledigt die Jobs im Hafen

Bremerhaven. Wird die Tür im Hafen nun doch für Zeitarbeitsfirmen geöffnet? Die Befürchtung, dass der Gesamthafenbetriebsverein (GHB) sein Alleinstellungsmerkmal als Reserve für Auftragsspitzen im Hafen verliert, äußert der SPD-Bundestagsabgeordnete Uwe Beckmeyer: „Da muss man aufpassen, dass man am Ende nicht nur Mundial, sondern alle anderen Anbieter im Hafen hat.“

Die Hamburger Firma Mundial RoRo sorgt derzeit für Aufsehen im Hafen. Angeblich sitzen Mitarbeiter des GHB daheim ohne Beschäftigung herum, während Exportfahrzeuge von Mundial-Mitarbeitern durch den Hafen gefahren werden. So genannte „Rote Karten“, also Hafenarbeiter, die für den GHB auf Abruf einsetzbar sind, sollen vergeblich auf einen Job warten. IG-Metall-Chef Karsten Behrenwald sind die Klagen darüber auch schon zu Ohren gekommen: „Man hat den Eindruck, das Modell GHB wird durch die BLG ausgehöhlt.“

Die BLG weist diese Vorwürfe weit von sich. „Wir stehen zum GHB“, betont Unternehmenssprecher Hartmut Schwerdtfeger. Seiner Darstellung zufolge hat nicht die BLG das Hamburger Unternehmen in den Hafen geholt, sondern der GHB selbst.

Der GHB, so Schwerdtfeger, stelle derzeit neue Mitarbeiter ein. Zielzahl: 300. Aber bislang seien erst rund 200 neue Kräfte an Bord. „Er wird noch bis Mai Zeit brauchen, um die benötigten Mitarbeiter beisammenzuhaben“, sagt Schwerdtfeger. Für diese Zeit habe der GHB sich Hilfe bei Mundial geholt.

„Wir können die Arbeit ja nicht liegen lassen“, sagt der BLG-Sprecher weiter. Der GHB habe es mehrfach nicht geschafft, genügend Mitarbeiter bereitzustellen. Allerdings greife derzeit nicht die BLG, sondern der GHB selbst auf die Dienste anderer Dienstleister zurück. Um die Höhe der Löhne gehe es dabei nicht.

 

Von der GHB-Führung war gestern keine Stellungsnahme zu dem Thema zu bekommen. Bei Mundial in Hamburg wollte man sich nicht weiter äußern. Allerdings versicherte die Geschäftsführung, man sei im Auftrag des GHB tätig. „Das ist der falsche Weg“, warnt Beckmeyer. Er fordert die Landespolitik auf, sich dieser Entwicklung entgegenzustemmen. „Ich bin da auf der Seite des Hafensenators“, sagt er. Vom Ressort gab es gestern allerdings keine Aussagen.

Bereits vor einem Jahr musste die GHB-Führung Kritik aushalten, weil sie bei Zeitarbeitsfirmen Fahrer angeheuert hatten. Damals war aber nicht die satte Auftragslage der Grund, sondern die Tarifprobleme: Kunden wie die BLG orderten die GHB-Mitarbeiter, allerdings nicht zu den dort tariflich vereinbarten höheren Löhnen.

Quelle:Nordsee-Zeitung

                                                                                           

Quelle: Nordsee-Zeitung

Quelle: Nordsee-Zeitung

Quelle: Nordsee-Zeitung

                                                                               

Quelle: Nordsee-Zeitung 

                                                                         

Quelle. Weserkurier

                                                                                        

 

 

Gebremste Freude im Hafen


Bremerhaven. Die Freude ist gebremst. Der Autoumschlag hat zwar im vergangenen Jahr wieder kräftig angezogen, aber weil die Schere zwischen Export- und Importfahrzeugen gewaltig auseinanderklafft, gibt es bei der BLG weiterhin Probleme. Von Klaus Mündelein


 
Für das Wachstum beim BLG-Autoumschlag sind die Exportfahrzeuge der deutschen Hersteller wie Mercedes-Benz verantwortlich. Um 34 Prozent stieg der Umschlag an den Kajen. Leider kommt der Import-Bereich überhaupt nicht aus dem Tal heraus. Foto eer

1,5 Millionen Fahrzeuge sind in diesem Jahr über die Rampen der Schiffe gerollt. Das sind 34 Prozent mehr als im Vorjahrszeitraum. Vorjahreszeitraum – damit ist das katastrophale Jahr 2009 gemeint, in dem die BLG beim Fahrzeugumschlag ein Minus von 40 Prozent hinnehmen musste. Die Lage hat sich also stark verbessert. Nur die Unwucht zwischen Im- und Export stört.

Unter den 1,5 Millionen Fahrzeugen, die in diesem Jahr umgeschlagen wurden, befanden sich nur 300 000 Autos ausländischer Hersteller, die in Bremerhaven für den europäischen Markt angelandet wurden. Das ist bitter, weil Importfahrzeuge für zusätzliche Arbeit in den Werkstätten der BLG sorgen. Deshalb gibt es weiterhin Probleme bei Autotec, und deshalb gibt es auch Probleme beim Lkw-Transport.

„Die Lkw kommen voll in Bremerhaven an und fahren leer wieder ab“, sagt BLG-Sprecher Hartmut Schwerdtfeger. Die Trucks bringen die wieder im Ausland stark gefragten Limousinen von Mercedes und BMW nach Bremerhaven, die für den neuen Umschlagboom an den Kajen verantwortlich sind. Aber weil die Autos aus Fernost ausbleiben, fahren die Lkw wieder leer zurück zu den deutschen Autoschmieden, und das kostet Sprit und Maut.

Verantwortlich für den schwächelnden Import wird die Abwrackprämie gemacht. Aber auch die Tatsache, dass die Asiaten den europäischen Markt verstärkt von ihren hiesigen Werken aus versorgen, vermiest das Importgeschäft. Jedenfalls, so betont Schwerdtfeger, sei die aktuelle Autoumschlagbilanz immer noch 500 000 Fahrzeuge schwächer als im Spitzenjahr 2008.

Wachstum gibt es auch in dem anderen wichtigen Umschlagbereich: Zehn Prozent soll das Plus bei den Containern betragen, heißt es bei der BLG. Bei der für den Boxenumschlag zuständigen Tochter Eurogate konnte man allerdings keine Zahlen nennen. Auch bei MSC Gate gab es die nicht. Aber: „Wir sind vom Volumen als auch vom Ertrag her nicht unzufrieden“, sagte Geschäftsführer Harry A. Mohns. Es gab in diesem Jahr ein Plus beim Umschlag, nachdem man im vergangenen Jahr unter Einbrüchen zu leiden hatte, wenn auch nicht so stark wie bei Eurogate.

Im Gegensatz zu anderen Umschlagbetrieben war das Jahr 2009 am North Sea Terminal Bremerhaven (NTB) relativ gut verlaufen. NTB-Chef Jan Gelderland erwartet, in diesem Jahr wieder den Stand des Vorjahres zu erreichen. „Und das waren knapp über drei Millionen Container“, sagt er.

Quelle: Nordsee-Zeitung

                                                      

Quelle: Nordsee-Zeitung vom 14.01.2011

                                                              

 

Deutsche Autoindustrie 2011 auf Rekordkurs

Berlin/Flensburg/New York (dpa) - Für Deutschlands Autoindustrie ist vom kommenden Jahr an die Welt wieder in Ordnung: Die Branche erwartet für 2011 Rekorde bei Export und Inlandsproduktion. Auch das zuletzt noch vergleichsweise schwache Geschäft im Inland zieht an.


 

Fabrikneue Autos mehrerer Fabrikate im Hafen in Hamburg. Seit dem Wegfall der Abwrackprämie verkaufen sich Neuwagen in Deutschland eher schleppend.

Auf dem wichtigen amerikanischen Markt holen die deutschen Autobauer schon mächtig auf: Im November konnten sich BMW und Daimler, VW und Audi bei ihren Kernmarken über zweistellige Absatzzuwächse freuen - das Geschäft brummt.

Beim Export prognostiziert der Verband der Automobilindustrie (VDA) für 2011 ein Plus von knapp 5 Prozent auf 4,4 Millionen Fahrzeuge. Das überträfe die bisherige Höchstmarke von 4,3 Millionen Autos von 2007. Ebenfalls um rund 5 Prozent soll die Inlandsproduktion auf knapp 5,8 Millionen Autos wachsen. «Die Kapazitäten sind sind wieder gut ausgelastet, der Auftragsbestand liegt deutlich über dem langjährigen Schnitt», sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Donnerstag.

In Deutschland rechnet der VDA für 2011 mit 3,1 Millionen Neuzulassungen, das wären etwa so viele wie 2008 und rund 700 000 weniger als 2009, dem Jahr der Abwrackprämie. In diesem Jahr dürften knapp über 2,9 Millionen Autos neu zugelassen werden, sagte Wissmann. Bis Ende November waren es 2,7 Millionen. «Der inländische Auftragseingang steigt seit September stetig und mit zunehmender Geschwindigkeit», sagte er.

Derzeit liege der Auftragsbestand aus dem Inland bei 532 000 Bestellungen und damit um rund 100 000 Einheiten über dem Durchschnittsniveau der vergangenen Jahre. Wissmann bestätigte, dass es bei einigen Modellen der Oberklasse Lieferzeiten von mehreren Monaten gebe.

Denn der deutsche Automarkt bleibt auf Erholungskurs, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte. Im November wurden 262 260 Personenwagen neu zugelassen, nur 6,2 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. Damit wurden sowohl im Oktober als auch im November die Zulassungszahlen von 2008 übertroffen, die noch nicht wegen der Abwrackprämie überhöht waren. Insgesamt kamen in den ersten elf Monaten 2,69 Millionen Autos neu auf die Straßen; für das Gesamtjahr rechnen auch das KBA und das Kfz-Gewerbe mit 2,9 Millionen Neuzulassungen.

Vorneweg fahren nach KBA-Angaben die Premiumhersteller Porsche, BMW, Mercedes und Audi. Dagegen seien die Zulassungszahlen bei VW, Ford, Opel und Smart rückläufig. Im November erzielten Geländewagen (plus 46 Prozent) das höchste Absatzplus; auch die obere Mittelklasse (plus 36 Prozent) und Sportwagen (plus 16 Prozent) liegen im Trend.

Bei Autoherstellern und -zulieferern in Deutschland waren nach VDA-Angaben im September 714 000 Menschen in den Stammbelegschaften beschäftigt. Hinzu kamen 30 000 Zeitarbeiter, das sind doppelt so viele wie auf dem Tiefpunkt der Konjunkturkrise 2009. Viel bemerkenswerter sei, dass die Autobranche in der Krise lediglich 2,8 Prozent der Stammbelegschaften abgebaut habe - bei Umsatzrückgängen der Unternehmen von 20 bis 30 Prozent. VW muss bald sogar schon Sonderschichten fahren, der starken Nachfrage vor allem nach dem kleinen Geländewagen Tiguan wegen: Im Volkswagen-Stammwerk Wolfsburg seien für das erste Quartal 2011 insgesamt 12 Sonderschichten in der Tiguan-Produktion vereinbart worden, bestätigte eine Sprecherin.

Und auch die Amerikaner kaufen bereitwillig deutsche Autos, entsprechend legten die deutschen Hersteller dort im November kräftig zu: BMW steigerte die Verkaufszahlen seiner Kernmarke im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 30 Prozent auf 20 297 Autos, wie das Unternehmen mitteilte. Seit Jahresbeginn haben die Münchner in den USA 196 833 Autos der Marke BMW abgesetzt - ein Plus von fast 12 Prozent.

Auch Daimler verkaufte von seiner Kernmarke Mercedes-Benz deutlich mehr - bei einem Plus von 13,3 Prozent kam die Marke auf 19 037 verkaufte Autos, wie die US-Vertriebsgesellschaft berichtete. Seit Jahresbeginn verkauften die Schwaben damit in den USA 203 468 Autos der Marke und legten damit beim Absatz um 19,4 Prozent zu. Weniger rund lief es beim Smart. Die Marke brach regelrecht ein.

Europas größter Autobauer Volkswagen steigerte seine US-Verkäufe im November nach Angaben der US-Tochter um gut 24 Prozent auf 20 189 Fahrzeuge. In den ersten elf Monaten kletterte der Absatz um 20,7 Prozent auf fast 233 000 Autos. Die VW-Tochter Audi verkaufte 9365 Autos und damit 37,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Von Januar bis November verkaufte die VW-Tochter in den USA 91 083 Autos in den USA - ein Plus von mehr als 23 Prozent.

 

Quelle: Nordsee-Zeitung

                                                     

 

Quelle: Nordsee-Zeitung vom 07.01.2011

                                                                                                               

Bremische Häfen: Die Kurve zeigt deutlich nach oben

Bremen. In den Bremischen Häfen wächst die Zuversicht über eine nachhaltig wirkende Erholung der Weltkonjunktur. Hafensenator Martin Günthner (SPD) geht daher auch für 2011 von einem weiter zulegenden Containerumschlag im Zwei-Häfen-Stadtstaat aus. Er gründet seine positive Einschätzung auf die Umschlagzahlen der ersten neun Monate des laufenden Jahres. Mit 51,2 Millionen Tonnen gingen im aktuellen Berichtszeitraum rund 12,7 Prozent mehr Güter über die Kaikanten in den beiden Hafenbereichen. Dabei entfiel der Löwenanteil erneut auf Bremerhaven, wo bis Ende September gut 41,3 Millionen Tonnen umgeschlagen wurden nach 37,5 Millionen Tonnen vor einem Jahr. Günthner: "Die Kurve zeigt deutlich nach oben." Wichtiger Treiber der positiven Entwicklung ist die deutsche Exportwirtschaft.

Der Containerumschlag verbesserte sich um gut neun Prozent auf 3,63 Millionen Standardcontainer (TEU). In Bremerhaven laufen seit April diesen Jahres regelmäßig XXL-Containerschiffe an. Mit einem "überdurchschnittlichen" Wachstum glänzt der Automobilumschlag, der ebenfalls in Bremerhaven verankert ist. Auf die Depression des Jahres 2009 folgt in diesem Jahr der steile Anstieg der PKW-Umschlagszahlen, im Wesentlichen getragen durch die Fahrzeugausfuhr. In den ersten neun Monaten wurden rund 1,12 Millionen Fahrzeuge im Im- und Export abgefertigt, ein Zuwachs von rund 140.000 Einheiten oder knapp 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings muss sich Bremerhaven unter den europäischen Automobilhäfen mit dem zweiten Rang begnügen: Zeebrügge hat weiter die Nase vorn. Einen wichtigen Beitrag zur Standortstärkung sehen Hafensenator und die Hafenwirtschaft in der neuen Kaiserschleuse, die im Frühjahr 2011 in Betrieb gehen wird. Sie erlaubt die Passage auch der größten Autofrachter.

Auch aus den Stadt-Bremischen Häfen kommen positive Meldungen über die Umschlagentwicklung. Der Gesamtumschlag verbesserte sich zwischen Januar und September von acht Millionen Tonnen 2009 auf jetzt 9,9 Millionen Tonnen. Einen ganz entscheidenden Anteil an der positiven Entwicklung hat der Bereich Industriehafen, der Ende Oktober sein hundertjähriges Bestehen feiern konnte. Zur Erinnerung: 2009 wurden in diesem Hafenteil im Jahr 2009 insgesamt 6,3 Millionen Tonnen Seegüter gelöscht oder geladen. Aktuell laufen im Industriehafen die Arbeiten an der Verbreiterung der Durchfahrt am Hafenbecken A. Bis April 2011 werden etwa 150 Meter Uferspundwand neu gerammt. Damit vergrößert sich die Durchfahrtsbreite an der tiefsten Stelle im Hafenbecken von 32 auf 56 Meter. Kosten liegen bei 2,2 Millionen Euro. (eha) 

Quelle: Verkehrsrundschau

                                                                              

 

Dürftige Löhne trotz dicker Gewinne

 

 

 

Düsseldorf/Stuttgart. Beim Autobauer Daimler sprudeln die Gewinne – so üppig, dass sich Unternehmenschef Dieter Zetsche bei seinen 130 000 Beschäftigten mit einer Bonuszahlung bedanken will. Für den Wirtschaftsforscher Claus Schäfer ist das nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“: Unternehmensgewinne und Löhne klafften immer weiter auseinander, sagt er.

 

 

 

Einen operativen Gewinn von sieben Milliarden Euro will Daimler in diesem Jahr einfahren. Im Krisenjahr 2009 stand noch ein Verlust von minus 1,5 Milliarden Euro in den Büchern. Als Belohnung dürfen sich die Daimler-Beschäftigten über eine Sonderzahlung und vom 1. Februar 2011 an über 2,7 Prozent mehr Geld freuen – zwei Monate früher als ursprünglich geplant. Zuvor hatten diesen Schritt bereits Unternehmen wie Bosch, Porsche, Audi und Siemens angekündigt.

Doch der Wirtschaftsforscher Claus Schäfer, Leiter des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), lässt sich davon nicht beeindrucken: „Das wäre ein Tropfen auf den heißen Stein, solange nicht viele andere Firmen folgen und alle auf die Löhne noch etwas drauflegen, Leiharbeit gleich bezahlen, sonstige befristete und andere prekäre Beschäftigung abbauen, mehr Lehrlinge einstellen und übernehmen“, sagt er.

In seinem jährlichen Verteilungsbericht kommt das WSI zu dem Ergebnis: Der Anteil der Löhne am gesamten Volkseinkommen ist 2010 erneut gesunken. Lag die Bruttolohnquote im Jahr 2000 noch bei gut 72 Prozent, sank sie in diesem Jahr auf 65,5 Prozent. Entsprechend stieg der Anteil der Unternehmensgewinne und Kapitaleinkünfte am Volkseinkommen von knapp 28 Prozent auf 34,5 Prozent. Das heißt: Wer von dem lebt, was sein Unternehmen oder sein Bankdepot abwirft, hat heute mehr Geld – wer allein auf seinen Lohn angewiesen ist, fällt zurück. Unterbrochen wurde dieser Trend nur kurz durch den Gewinneinbruch in der Wirtschaftskrise.

„Die Politik ignoriert wichtige Lehren, die die Krise dick unterstrichen hat“, warnt Schäfer. „Wenn die Einkommensungleichheit weiter wächst, destabilisiert das Wirtschaft und Gesellschaft. Unsere Binnenmarktschwäche und die soziale Polarisierung sind Hypotheken für die Zukunft.“ (cb)

Nordsee-Zeitung vom 03.12.2010

                                                                                             

 

 

 

                                                                                                                                                      

Nordsee-Zeitung 11.09.2010

                                                                           

„Personal Aktiv“ im Hafen

Bremerhaven. Zeitarbeitsfirmen wie „Mundial RoRo“ sind vorerst wieder raus aus dem Hafengeschäft, der Gesamthafenbetriebsverein (GHB) ist alleiniger Personaldienstleister. Das bestätigte gestern die BLG. Eine überraschende Nachricht. Nicht minder überraschend: Zu den Zeitarbeitsfirmen, die im Hafen unterwegs waren, gehörte auch die stadteigene „Personal Aktiv“. Von Klaus Mündelein

 
Auf dem Autoterminal der BLG kamen in den vergangenen Wochen verstärkt Zeitarbeitsfirmen zum Einsatz. Wie sich jetzt herausstellte, gehörte auch die stadteigene „Personal Aktiv“ dazu. Foto dpa

„Personal Aktiv“ muss sich derzeit gegen den Vorwurf des Bremerhavener Verdi-Vorstandsmitglieds Sascha Schomacker wehren, Mitarbeiter in die falsche Entgeltgruppe einsortiert und damit zu niedrig bezahlt zu haben. „Personal Aktiv“-Chef Gerrit Michaelis macht deshalb gleich deutlich, dass den Mitarbeitern, die im Hafen zum Einsatz kamen, der Fahrertarif von 10,90 Euro bezahlt wurde. „Selbstverständlich“, sagt Michaelis.

„Personal Aktiv“ ist eine 100-prozentige Tochter des stadteigenen Arbeitsförderungszentrum, das von SPD-Chef Siegfried Breuer geleitet wird. Breuer sitzt neben Michaelis auch in der Geschäftsführung der Zeitarbeitsfirma „Personal Aktiv“. Die verbindet man bislang nicht mit Einsätzen im Hafen. Und als in den vergangenen Wochen die Hafenarbeiter über Leiharbeitsfirmen schimpften, die ihnen die Arbeit wegnehmen, tauchte vornehmlich der Name der Hamburger „Mundial RoRo“ auf. Aber es gab auch andere.

„Ich bin persönlich von der BLG angerufen worden“, erklärt Michaelis. Der GHB habe Probleme gehabt, Leute zu finden, „wir sollten helfen“. Daraufhin habe er dem GHB seine Dienste angeboten. Sehr schnell habe man die benötigten Fahrer gefunden. Im Dezember hatte „Personal Aktiv“ laut Michaelis 20 Mitarbeiter im Einsatz. „Wir haben den Auftrag nicht forciert“, sagt Michaelis. Da die Firma nicht ins Hafengeschäft einsteigen wollte, habe man sich wieder zurückgezogen.

Gerüchte im Hafen, dass „Personal Aktiv“ die Anforderungen nicht erfüllt habe und deshalb „Mundial RoRo“ zum Zuge kam, sind laut Michaelis falsch. „Wir haben sehr schnell Personal stellen können, und der Auftraggeber war sehr zufrieden.“

Zeitarbeit im Hafen ist allerdings kein Thema, das bei Hafenarbeitern und bei der Gewerkschaft Verdi auf Zufriedenheit stößt. Im Gegenteil. Als die BLG vergangene Woche ankündigte, weiterhin auf Zeitarbeit setzen zu wollen, wenn der GHB nicht genügend Personal einstelle, drohten die Gewerkschaften mit Gegenmaßnahmen.

Gestern nun versicherte BLG-Sprecher Hartmut Schwerdtfeger, dass die Zusammenarbeit mit „Mundial RoRo“ beendet ist. Verdi-Landesfachbereichsleiter Dirk Reimers hofft, dass der Hafen jetzt wieder in ruhiges Fahrwasser kommt. Allerdings will er von der BLG wissen, wie mit dem Schaden umgegangen wird, der dem GHB entstanden sei.

GHB-Chef Hubertus Ritzke betonte, dass Zeitarbeitsfirmen künftig nicht grundsätzlich ausgeschlossen seien. Sie würden weiterhin zum Einsatz kommen, wenn der GHB voll ausgelastet ist. Der GHB stelle aber weiterhin neue Mitarbeiter ein.

Quelle: Nordsee-Zeitung

                                                                       

 GHB stellt Arbeiter wieder ein


Bremerhaven. Viele haben mit dem Kopf geschüttelt, als es im Hafen beim Autoumschlag haperte, weil der Gesamthafenbetriebsverein (GHB) nicht genügend Fahrer stellen konnte. „Wieso setzen die nicht die entlassenen Kollegen ein?“, fragten viele. Genau das macht jetzt der GHB: Rund 100 Mitarbeiter, denen vor einem Jahr gekündigt wurde, kehren zurück.

Von Klaus Mündelein

Das Foto ist auf den Tag genau ein Jahr alt: Ende Juli 2009 hatten Olaf Thun (vorn) und Kollegen vom Gesamthafenbetriebsverein ihre letzte Schicht. Nun sollen sie wieder anfangen dürfen. Foto eer

Einstellungstermin ist der 9. August. „Alle kehren motiviert an den Arbeitsplatz zurück. Wir wollen an einem Strang ziehen und dafür sorgen, dass die Qualität im Hafen wieder stimmt“, sagt Olaf Thun. Er gehörte zu den Gekündigten, die sich gegen die Entlassung vor Gericht gewehrt haben. Er wird auch weiterhin vor Gericht streiten. Der GHB akzeptiert das offensichtlich.

Ein Teil der Hafenarbeiter zieht die Klage allerdings zurück. Als Gegenleistung bekommen sie dafür eine bestimmte Geldsumme. Der Stundenlohn beträgt künftig 10,90 Euro.

Diesen Stundenlohn bekommen auch diejenigen, die ihre Klage aufrechterhalten. Sie gehen nun ein sogenanntes befristetes Prozess-Arbeitsverhältnis ein. Das gilt so lange, bis der Prozess vor dem Landesarbeitsgericht startet. Zur Erinnerung: Die Hafenarbeiter hatten vor dem Arbeitsgericht Recht bekommen, aber die GHB-Führung ging zur nächsten Instanz. „Wir wollen wieder in unsere alte Lohngruppe“, begründet Thun, warum er und andere Kollegen an der Klage festhalten.

Viele Hafenarbeiter sind froh, wieder Arbeit zu haben. Ihnen drohte Hartz IV, das Abrutschen in die Langzeitarbeitslosigkeit. Auch deshalb haben einige auf die Klage verzichtet. Der GHB soll aber auch ehemalige Kollegen wieder eingestellt haben, die nicht geklagt hatten.

Dass der Hafen wieder Arbeiter braucht, belegte nicht nur der Stau beim Autoumschlag, den der GHB erst mit 270 neuen Aushilfen in den Griff bekam. Die Umschlagzahlen ziehen gleichmäßig wieder an. Im ersten Halbjahr wurden rund 2,4 Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen. Das sind 11,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei war jeder Monat besser als der Vorjahresmonat. Der Autoumschlag legte im ersten Halbjahr um 37,3 Prozent zu auf 716 000 Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr 2009 gingen 520 000 Autos über die Rampen im Hafen.

                                                                                                                        

taz vom 21.07.10

Hoppla, ein Boom!

Wegen akuten Personalmangels und vieler Export-Neuwagen, ging am Bremerhavener Autoterminal ein paar Tage nichts. Jetzt entspannt sich die Lage

VON Felix Zimmermann

So viele Autos in Bremerhaven. Aber wo sind die, die sie in den Bauch des wartenden Schiffes fahren? Foto: dpa

 

Die Hafenumschlagsfirma BLG schlittert von Krise zu Krise: Erst gab es wegen der Wirtschaftsflaute zu wenig Aufträge, jetzt zieht das Autoexportgeschäft wieder an - und ein gutes halbes Dutzend Transportschiffe wartet seit Tagen darauf, beladen zu werden. Der Boom kam zu plötzlich für den Logistikriesen, er hatte schlicht zu wenig Arbeitskräfte im Reservoir. Das stellt der Gesamthafenbetriebsverein (GHBV), die Leiharbeitsfirma der Hafenunternehmen. Dort waren im vergangenen Jahr im Angesicht der Krise 1.100 Angestellte entlassen worden.

Zunächst suchte die BLG aber eiligst per Telefon-Hotline Aushilfen, um die Autos auf die Schiffe zu schaffen. 500 haben sich laut BLG gemeldet, von denen jetzt die vielversprechendsten eingeladen und die Besten eingestellt werden. Auto fahren müssen sie können und sehr präzise einparken, drei Tage Schulung sind notwendig, damit das unfallfrei vonstatten geht.

 

BLG-Sprecher Hartmut Schwerdtfeger sagt, sein Unternehmen habe sich wie immer auf das verlassen, was die Autohersteller an zu transportierenden Neuwagen angekündigt hätten. Hätten die mehr avisiert, hätte man sich früher auf den höheren Arbeitskräftebedarf einstellen können. Keiner habe ahnen können, dass in den USA und in Asien wieder vermehrt deutsche Autos gekauft werden. Eine Gefahr für den Autoverladestandort Bremerhaven will Schwerdtfeger nicht sehen, auch wenn in Medien von in der Reedereiszene kursierenden E-Mails die Rede war, die vor Bremerhaven geradezu warnten: Aus der Logistikkette vom Hersteller bis zum Verladehafen lasse sich nicht mal eben so ein Glied herauslösen, sagt er. Nur wenn das Problem auf Dauer bestehe, müsse man sich Sorgen machen.

Daran, dass es jetzt schnell gelöst wird, sollen nun aber auch ehemalige Mitarbeiter des GHBV mitwirken. Bis zu 150 sollen streng nach Sozialplan wieder eingestellt werden, spätestens ab kommender Woche Donnerstag werden die ersten von ihnen wieder ihren alten Job machen.

Der GHBV-Betriebsratsvorsitzende in Bremerhaven, Peter Frohn, zürnte gestern, dass die Rückabwicklung der Kündigungen hätte schneller gehen müssen. Bereits vor sechs Wochen hätte man damit anfangen sollen, dann wäre es erst gar nicht zu dem Engpass gekommen. Er meint, dass die BLG durchaus auch so vorausschauend hätte planen können: "Die Schiffe, die die Autos aufnehmen, sind ja nicht plötzlich als U-Boote aufgetaucht", sagt er, außerdem sei schon länger bekannt gewesen, dass etwa Daimler wieder Leute eingestellt habe. Die Rückabwicklung der Kündigungen ist wegen der jüngeren Geschichte des GHBV einigermaßen kompliziert: Weil einige der gekündigten Mitarbeiter gegen den Arbeitsplatzverlust geklagt hätten, würden Gespräche zur Wiedereinstellung über ihre Anwälte laufen - der Umweg kostet Zeit.

Vorwürfe des Komitees "Wir sind der GHB" und der Linkspartei, die Kündigungen im großen Stil seinen falsch gewesen, wies Frohn gestern erneut zurück: "Hätten wir das angesichts der Lage nicht gemacht, hätten wir den Laden komplett schließen müssen." Auch die Umstellung auf Zeitarbeit wäre aufgrund hoher laufender Kosten untauglich gewesen.

                                                                                                           

Nordsee-Zeitung vom 21.07.10

szmtag

270 neue Fahrer sollen Stau auflösen


Überseehäfen. Autofahrer gesucht? 500 Bewerber haben sich über die Hotline der BLG gemeldet. Die will mit den neuen Kräften die Engpässe im boomenden Fahrzeug-Export überbrücken. Beim Fahrzeug-Import sieht es weiter mau aus. Da kommt ein neuer Auftrag von Suzuki wie gerufen. In Bremerhaven bekommen die „Japaner“ einen zusätzlichen Korrosionsschutz.

von Klaus Mündelein
 

BLG-Fahrer Patrick Stiller bekommt Hilfe: Noch in dieser Woche sollen 270 neue Fahrer auf den Terminals helfen, den Stau bei den Export-Fahrzeugen abzubauen. Foto eer

Bei der BLG wurden jetzt die Bewerbungen sortiert und bewertet. „270 Mitarbeiter sind inzwischen ausgewählt und in den vergangenen Tagen geschult worden“, sagt Unternehmenssprecher Hartmut Schwerdtfeger. Sie sollen ab Ende der Woche bei der BLG und dem Gesamthafenbetriebsverein zum Einsatz kommen. „Dann ist das Problem gelöst“, sagt er.

Der Stau im Hafen wurde von einer Flut von Exportfahrzeugen aus Süddeutschland verursacht. Kurz vor den Werksferien hatten die die Produktion hochgefahren. Der GHB war nicht in der Lage, so schnell zusätzliche Fahrer bereitzustellen. Die Folge: Die Schiffe müssen auf ihre Fracht warten.

Fest angestellt? Zeitvertrag? Aushilfe? In welchem Arbeitsverhältnis die neuen Kollegen übernommen wurden, blieb gestern unklar. „Unterschiedlich“, lautete die Auskunft. Unterdessen fordern die Linken in der Bürgerschaft die bevorzugte Einstellung von entlassenen Mitarbeitern. Der Abgeordnete Walter Müller macht die Führung von BLG und GHB verantwortlich für das Problem. Das Anziehen der Konjunktur sei absehbar gewesen. „Das haben sich die Geschäftsführungen von BLG und GHB leider selbst eingebrockt“, sagt Müller.

Während im Ausland deutsche Autos wieder gefragt sind, läuft der Absatz ausländischer Fahrzeuge in Deutschland eher schleppend. Der Importbereich schwächelt deshalb weiter. Zusätzliche Arbeit verschafft allerdings jetzt der japanische Automobilhersteller Suzuki in den Werkstätten von BLG Autotec.

Suzuki führt seit Jahren die in Japan und Indien gebauten Fahrzeuge über Bremerhaven auf den deutschen Markt. Rund 18 000 Autos werden das in diesem Jahr sein, weit weniger als im Vorjahr, als die Abwrackprämie den Absatz ankurbelte. Dafür geht Suzuki jetzt in die Qualitätsoffensive. Zusätzlich zum Korrosionsschutz, der wie üblich schon bei der Produktion den Autos verpasst wird, lässt der Hersteller nun in Bremerhaven in Hohlräume und Unterboden eine weitere Wachsschicht auftragen.

Zusätze im Salz

Andreas Franz von Suzuki Europa begründet das mit aggressiven Zusätzen, mit denen inzwischen das Streusalz versehen wird. Der Sonderschutz für die Bleche soll sicherstellen, dass die Autos auch nach Jahren noch dem Rost trotzen. Die Fahrzeuge würden so über einen langen Zeitraum im optimalen Zustand verbleiben. „Wir haben damit ein echtes Alleinstellungsmerkmal“, sagt Franz.

Die verschiedenen Wachssorten werden mit speziellen Lanzen in die Hohlräume gespritzt. Das Verfahren sei mit der BLG erarbeitet worden, sagt Franz. Er lobt die technischen Fertigkeiten bei der BLG. Und: „Sie ist ein verlässlicher Partner.“

Mit der BLG importiert Suzuki auch die Fahrzeuge nach Deutschland, die in Ungarn produziert werden. Diese Autos werden allerdings im Technikzentrum in Kehlheim an der Donau bearbeitet.

                                                                                

Bildzeitung vom 19.07.10:

In der Seestadt können die Pkw nicht schnell genug verladen werden – weil das Personal fehlt

Stau am Auto-Terminal!


 
Von SEBASTIAN RÖSENER

Schiffe-Stau in der Deutschen Bucht vor Bremerhaven!

Die riesigen Pötte können derzeit nicht in den Hafen der Seestadt einlaufen – weil im Autoterminal die Pkw nicht schnell genug verladen werden. Das Personal fehlt.
 

Genau hier herrschte vor ein paar Wochen wegen der Auswirkungen der Wirtschaftskrise noch gähnende Leere. Jetzt steht alles voll mit Autos! Und die BLG kann diese nicht schnell genug verladen. Sprecher Andreas Hoetzel: „Mittlerweile schlagen wir 10000 Autos pro Tag um. Vor drei Monaten waren es noch die Hälfte.“

Grund für den plötzlichen Ansturm? In den USA und in China wollen plötzlich alle wieder deutsche Autos kaufen. Problem: Darauf war das Unternehmen nicht vorbereitet. Hoetzel: „Um die Schiffe fristgerecht abfertigen zu können, brauchen wir zusätzliches Personal von 350 bis 400 Mitarbeitern.“

Besonders prekär: Im vergangenen Jahr hatte der Gesamthafenbetriebsverein (GHB) rund 1000 Beschäftigte entlassen, um die Pleite abzuwenden. Genau diese Kräfte fehlen jetzt! Die Reedereien sind sauer. Laut „Radio Bremen“ kursieren schon E-Mails, in denen davon abgeraten wird, Bremerhaven anzulaufen. Denn jeder Tag Verzug kostet den Reedereien rund 35000 Dollar pro Schiff.

Mit einer Telefonhotline sowie mit Umschulungen von Beschäftigten aus anderen Bereichen will die BLG den Arbeitermangel jetzt so schnell wie möglich ausgleichen. Hoetzel: „Wir hoffen, dass wir schon in dieser Woche wieder die Termine einhalten können.“

                                                                                                                          

 
Freitag, 16. Juli 2010
 
 
 
 

Sieben Autofrachter auf Reede

Reeder warnen vor Bremerhaven

Autos stauen sich am Umschlagsplatz Bremerhaven [Quelle: Radio Bremen]

Zu viele Autos - zu wenig Mitarbeiter, um sie zu verladen.

Der Personal-Engpass auf dem Autoterminal in Bremerhaven
ist offenbar dramatisch. Wegen der Massenentlassungen im vergangenen Jahr gibt es jetzt zu wenig Mitarbeiter, die Export-Autos im Hafen verladen. In der Wesermündung liegen inzwischen sieben Autotransporter auf Reede. Die Hafenumschlagsfirma BLG kann sie nicht termingerecht abfertigen. In Bremerhaven herrscht Alarmstimmung, sagt ein Sprecher der Reederei Wallenius Wilhelmsen Lines, die auf den Fahrzeugtransport spezialisiert ist.

Liegetage sind teuer

Die Verzögerungen bedeuteten für die Reedereien pro Tag Kosten von 35.000 Dollar je Schiff. Inzwischen hätten die Autofrachter bis zu sechs Tage Verzug. Das sorgt für Empörung bei Reedern und Auto-Herstellern. Mittlerweile kursieren E-Mails, in denen davon abgeraten wird, Bremerhaven anzusteuern. Die Bremer Logistic Group BLG sucht nach Aushilfen. So ist sogar geplant, Beschäftigte aus anderen Bereichen kurzfristig zu schulen, damit sie Autos qualifiziert auf den Transport vorbereiten und auf die Schiffe fahren können.

Leiharbeitsfirma überfordert

Der Gesamthafenbetriebsverein Bremen/Bremerhaven (GHB), die Leiharbeitsfirma der Hafenunternehmen, hatte im vergangenen Jahr mehr als 1.000 Mitarbeiter entlassen, um eine Pleite abzuwenden. Durch die Finanzkrise waren das Hafengeschäft stark eingebrochen und die Arbeitskräfte des GHB nicht mehr angefordert worden. Jetzt kann der GHB mangels Mitarbeitern nicht flexibel auf die Nachfrage reagieren.

Marktentwicklung falsch eingeschätzt

Die Beteiligten haben offenbar nicht mit der raschen Erholung des Automobilmarktes gerechnet. Die Nachfrage nach deutschen Fahrzeugen ist - vor allem im Ausland - erheblich schneller gestiegen als erwartet. Die Hafenunternehmen hatten mit einem Zuwachs von 5 Prozent gerechnet und und wurden von den aktuellen 30 Prozent überrascht.

Wegen der Personalprobleme sucht der Gesamthafenbetriebsverein per Telefonhotline nach Aushilfen. Rund 80 Interessierte haben sich bereits gemeldet, sagt GHB Geschäftsführrer Hubertus Ritzke. Zudem sollen weitere 70 BLG-Autotec-Mitarbeiter kurzfristig auf dem Terminal als Fahrer einspringen. Hier steht eine Einigung mit dem Betriebsrat aber noch aus. Nach Angaben des GHB könnte sich mit diesem zusätzlichen Personal die Situation in der kommenden Woche entspannen.

Politik sorgt sich um den Ruf Bremerhavens

Der hafenpolitische Sprecher der CDU, Paul Bödeker, hat den GHB aufgefordert, sich mit den entlassenen Mitarbeitern schnellstmöglich zu einigen. Jetzt räche sich, dass der GHB im vergangenen Jahr nicht auf Kurzarbeit sondern auf Entlassungen gesetzt habe. Die derzeitige Situation gefährde den guten Ruf des Standorts Bremerhaven. Reeder, die absprängen, weil ihre Schiffe zu lange auf Abfertigung warten müssten, gingen dem Standort verloren, so Bödeker.

Entlassene sind wütend

Die im vergangenen Jahr entlassenen Arbeiter des Gesamthafenbetriebsvereins sind wütend. Sie fordern, umgehend wieder fest eingestellt zu werden, sagt ihr Sprecher Olaf Thun. Das aber ist laut Ritzke noch nicht möglich. Erst müssten mit den Betroffenen die Bedingungen wie nachträgliche Gehaltsforderungen und Tarife ausgehandelt werden. Ritzke rechnet damit, dass das nach sechs Wochen geklärt ist. Über 100 Hafenarbeiter streiten sich mit dem Unternehmen noch vor dem Arbeitsgericht über ihre Weiterbeschäftigung.

Der Streit zwischen den entlassenen Mitarbeitern und der Geschäftsführung des Gesamthafenbetriebsvereins kocht schon seit längerer Zeit. Das Radio-Bremen-Fernsehregionalmagazin "buten un binnen" hat mehrfach darüber berichtet:

 


                                                                                                                                                          

Nordsee-Zeitung vom 15.07.10

„150 Leute nicht auf einen Schlag“


Überseehäfen. Die BLG sucht händeringend Fahrer. Weil die Autohersteller kurz vor den Werksferien die Produktion noch einmal hochgefahren haben, rollen die Autozüge zurzeit unablässig Richtung Bremerhaven. Hier müssen die Autos entladen und aufs Schiff gefahren werden – dafür fehlen mindestens 150 Fahrer. Von Christoph Barth

Diese Woche müssen 47 000 Wagen aufs Schiff verladen werden. Der Anstieg sei in dieser Form nicht absehbar gewesen, sagt Terminalchef Ferdinand Möhring: „Die Autohersteller waren in ihren Ankündigungen eher vorsichtig.“ Jetzt kann es ihnen gar nicht schnell genug gehen – einige drohen schon, nach Zeebrügge oder in andere Konkurrenzhäfen auszuweichen, wenn die Verladung in Bremerhaven zu langsam geht.

In der Autobranche macht sich wieder Optimismus breit – auch über die Werksferien hinaus. „Der positive Trend verfestigt sich“, sagt Möhring. „Wir gehen davon aus, dass wir auch in den kommenden Wochen und Monaten mehr Fahrer brauchen werden.“

Gestellt wird das Personal zum großen Teil vom Gesamthafenbetriebsverein (GHB), der „Leiharbeitsfirma“ des Hafens. Wegen der Krise hatte der GHB im vergangenen Jahr Personal abgebaut – knapp 100 Mann mussten gehen, 200 wurden tariflich vom Hafen- zum Lagerarbeiter herabgestuft. „Ich freue mich, dass jetzt wieder Beschäftigung da ist“, sagt GHB-Chef Hubertus Ritzke. Allerdings: „150 Leute können wir nicht auf einen Schlag besorgen.“

Gesucht werden nun Aushilfen („Rote Karten“), die den Arbeitsanfall der nächsten Woche bewältigen können. Doch Ritzke plant – wie die BLG – schon darüber hinaus. „Ich denke, dass wir 100 Fahrer wieder fest einstellen können.“ Dazu soll der Sozialplan „rückabgewickelt“ werden. Das heißt: Die entlassenen Mitarbeiter mit den meisten Punkten gemäß Sozialauswahl werden bevorzugt wieder eingestellt.

Der Sozialplan allerdings ist umstritten. Zahlreiche Mitarbeiter haben gegen ihre Kündigung geklagt – und in erster Instanz vor den Arbeitsgerichten gewonnen. Zurzeit liegen die Fälle beim Landesarbeitsgericht, das aber erst im nächsten Frühjahr darüber entscheiden will.

Olaf Thun, einer der Wortführer der Unzufriedenen beim GHB, befürchtet bereits das Schlimmste: „Wenn es wirklich nach Sozialauswahl geht, müsste ich sofort wieder eingestellt werden“, sagt er. „Aber die hungern uns aus, weil wir damals die Schnauze aufgemacht haben.“

Konflikte gibt es auch in der BLG-Belegschaft: Um die Löcher im Schichtplan schnell zu stopfen, will die Geschäftsführung Personal aus den Werkstätten der BLG Autotec abziehen und auf dem Terminal einsetzen. Darüber jedoch sind sich die beiden Betriebsräte der BLG-Töchter – der eine von der IG Metall, der andere von Verdi – nicht einig. Gestern wurden sie vom Arbeitsdirektor ins Gebet genommen, um doch noch eine Lösung zu finden.

                                                                                                                

Neues Port Package in Sicht!

EU nimmt neuen Anlauf zur Hafen-Liberalisierung - Welt 14.6.

Port Package III in Vorbereitung - Nachteile für Hamburg befürchtet - Kammer warnt vor Wettbewerbsverzerrungen.
Von Martin Kopp

Norddeutschen Hafenfirmen droht eine massive Zunahme der Konkurrenz. Die Europäische Union will erneut den Marktzugang zu Hafendiensten mit einer Richtlinie öffnen. Entsprechende Überlegungen werden derzeit in der Europäischen Kommission angestellt. Erst vor vier Jahren war ein vergleichbarer Vorstoß mit dem Namen Port Package II bei einer Abstimmung im EU-Parlament nach massiven Protesten von Hafenverbänden und Gewerkschaften gescheitert.

Die Bombe platzte in der jüngsten Sitzung des Transport-Ausschusses in Brüssel. Auf Anfrage des Hamburger SPD-Abgeordneten Knut Fleckenstein, ob ein Port Package III überlegt werde, sagte Siim Kallas, der zuständige Kommissar, Vizepräsident der EU-Kommission und ehemaliger estnischer Ministerpräsident: "Ich bin für eine Liberalisierung der Hafendienste. Das entspricht unserer Strategie, den Wettbewerb zu fördern und mehr Transparenz zu schaffen."

Für den EU-Verkehrsexperten Fleckenstein war das ein Weckruf: "Die Gefahr ist noch nicht gebannt. Hamburg muss jetzt hellwach sein, um mögliche Fehlentwicklungen zu verhindern." Fleckenstein weiß, wovon er spricht. Denn besonders der Hamburger Hafen wäre von der EU-Richtlinie betroffen.

Fast die gesamten Kaianlagen des Hafens stehen im Eigentum der Stadt. Sie werden an die Umschlagsbetriebe vermietet, die darauf ihre Terminals errichten. Die Pachtverträge sind langfristig und erneuern sich nach Ablauf nahezu automatisch. Die EU will aber anderen Hafendienstanbietern die Möglichkeit einräumen, selbst auf die Hafenflächen zugreifen zu dürfen. Dazu müssen die Pachtverträge befristet und die Flächen anschließend öffentlich ausgeschrieben werden. Damit könnte es beispielsweise passieren, dass die HHLA ihre Containerbrücken abreißen und ihre Terminals zugunsten dritter räumen muss. Nicht zuletzt deshalb haben zahlreiche Hafenarbeiter aus Hamburg im Jahr 2006 vor dem EU-Parlament in Straßburg sogar mit Steinwürfen gegen die Fenster ihren Unmut gegen die Hafenliberalisierung deutlich gemacht.

Wie das neue Port Package aussehen könnte, ist noch völlig offen, sagt Clemens Holtmann, Wirtschaftsexperte des Hanse Office, der Hamburger Landesvertretung bei der EU. Derzeit laufe eine Online-Umfrage unter den Mitgliedsstaaten, um den Bedarf einer solchen Vorschrift zu ermitteln. "Als Frühwarnsystem des Senats haben wir diesen aber bereits darüber unterrichtet, dass hier etwas im Busch ist", so Holtmann.

Die norddeutsche Wirtschaft ist bereits alarmiert. "Für die langfristigen Investitionen, die die deutschen Seehäfen in dieser Situation brauchen, wäre eine solche Richtlinie kontraproduktiv", sagt Matthias Fonger von der Handelskammer Bremen. Die Hafenfirmen würden auf Modernisierungen und Ausbau verzichten, wenn sie damit rechnen müssen, ihre Anlagen demnächst an andere zu verlieren. "Wir lehnen ein neues Port Package deshalb ab", so Fonger. Der Hautgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg, Hans-Jörg Schmidt-Trenz, meinte: "Was auch immer in einer solchen Richtlinie steht, darf nicht dazu führen, dass die Nordseehäfen gegenüber den Mittelmeerhäfen ins Hintertreffen geraten. Die Wettbewerbsbedingungen müssen gleich sein." Hamburg müsse sich für die Diskussion wappnen.

Anfang des Jahres 2006 war das Port Package II, in dem es auch um eine EU-weite Liberalisierung von Hafendienstleistungen ging, im Europaparlament gescheitert. Das war der zweite Versuch der Kommission, die Märkte für Hafendienstleistungen zu öffnen. Schon damals wurde ein neuer Entwurf angekündigt.

Dem Package lag der Gedanke zugrunde, dass Reeder ihre Schiffe auch von eigenen Unternehmen be- und entladen lassen können. Noch immer ist dies nur wenigen Firmen in den Häfen vorbehalten. Gewerkschaften befürchten Lohn- und Sozialdumping, sollten die EU ihre Pläne umsetzen. Vor vier Jahren hatten rund 6000 Hafenarbeiter in Europa gegen die geplante Hafenrichtlinie protestiert.

Na, dann sollen wir doch bestimmt wieder für unseren Arbeitgeber in die Bresche springen, wie bei den letzten beiden Malen......
Dann können wir ja auch mal Schmähschriften in den Zeitungen verbreiten......

 

                                                                                                    

 

Nordsee-Zeitung

 

 

Arbeiter zeigt BLG- und GHB-Spitze an

Bremerhaven. Der Gesamthafenbetriebsverein (GHB) kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Es gibt eine weitere Anzeige wegen Betrugs und Nötigung. Sie richtete sich gegen GHB-Geschäftsführung und -Betriebsrat, aber auch gegen den BLG-Vorstand und den BLG-Betriebsrat.

 Noch ein Verfahren gegen Betriebsrats-Chef Peter Frohn. Aber diesmal richtet sich die Anzeige auch gegen die BLG-Spitze. Foto ls

Am Montag hat Heiko Sari die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Er hat als so genannte „Rote Karte“ beim GHB gearbeitet, also als kurzfristig beschäftigter Hafenarbeiter. Kurz gefasst wirft er der BLG vor, zu Beginn des Jahres mit einem Haustarifvertrag unrechtmäßig den Hafentarif gekündigt zu haben. Mit Verweis auf diesen Haustarif habe die BLG auch nur noch reduzierte Entgelte an den GHB bezahlt und damit den GHB in die Gefahr der Insolvenz gebracht.

Die GHB-Führung habe es unterlassen, gegen den Vermögensschaden zu klagen, auch der GHB-Betriebsrat habe das unterlassen.

Oberstaatsanwalt Frank Schmitt bestätigte den Eingang der Anzeige. Er hat sie weitergeleitet nach Bremen, dem Sitz von BLG und GHB. „Ein strafbares Verhalten kann ich nicht erkennen“, sagt er. Aber ob die Vorwürfe zu Recht erhoben würden, müsse natürlich erst die genaue Prüfung erbringen. „Was da herauskommt, kann ich noch nicht sagen.“

Inzwischen sind mehrere Verfahren rund um den GHB anhängig. So ermittelt die Staatsanwaltschaft seit Monaten wegen des Vorwurfs der Erpressung, der gegen GHB-Betriebsratschef Peter Frohn erhoben worden ist. Und vor dem Arbeitsgericht muss noch die Anfechtung der GHB-Betriebsratswahl entschieden werden. (mue)

                                                                                                       

WESERKURIER 

26.3.2010

BLG verdient trotz Krise über 16 Millionen
Detthold Aden will weiter sparen und wachsen / Automobilgeschäft vor grundlegendem Wandel


 

Von Annemarie Struss-v. Poellnitz Bremen

BLG-Chef Detthold Aden zeigt sich wieder vorsichtig optimistisch. Das Unternehmen hat im schwierigen Jahr 2009 mit 16 Millionen Euro mehr als erwartet verdient. Dazu haben aber zu einem beträchtlichen Teil die Abwrackprämie und harte Sparmaßnahmen im Unternehmen beigetragen. Marktanteile gewonnen hat die BLG in der Kontraktlogistik. Das Automobilgeschäft bleibt schwierig und der Containerumschlag ist von alten Rekorden noch weit entfernt.
Trotz des schwierigen Umfeldes hat die BLG 2009 ihr geplantes Ergebnis von zehn bis 15 Millionen Euro um eine Million übertroffen. "Wir sind mit dem Ergebnis von 16 Millionen Euro zwar zufrieden, aber eigentlich ist es ungenügend", sagt Aden. In Spitzenzeiten standen 84 Millionen Euro unter dem Strich. Um die Verpflichtungen aus der Pensionskasse und gegenüber den Banken zu erfüllen, müsse möglichst schnell wieder eine Größenordnung von 30 bis 40 Millionen Euro Gewinn erreicht werden.
"Wir waren 2009 hauptsächlich damit beschäftigt, an unseren Strukturen zu arbeiten", sagt Aden in einer vorläufigen Bilanz. "Wir können uns nicht nur über Sparen retten. Wir müssen sparen und wachsen. Wir als Marktführer in einzelnen Segmenten müssen jetzt imstande sein, attraktive Angebote zu machen, wo unsere Wettbewerber eher schwach werden." Deshalb bleibt es bei der Doppelstrategie: Massive Kostensenkung nach innen, Marktoffensive nach außen. Das scheint vor allem in der Handelslogistik zu gelingen. Die BLG betreibt seit Jahren Lagerhaltung und Warenverteilung für Tchibo. Das Geschäft konnte erneut ausgeweitet werden. Kunden sind unter anderem Ikea und Konika/Minolta, weitere große Fische zappeln angeblich schon am Haken. Hier traut sich die BLG noch deutlich mehr zu, auch in ganz neuen Bereichen wie der Modebranche.
Verluste bei Vollbeschäftigung In den Kerngeschäftsfeldern, im Automobil- und Containerumschlag, ist die Bilanz allerdings durchwachsen. "Im Januar, Februar und auch Anfang März hatten wir deutlich mehr Volumen im Containerbereich als erwartet. Wir können aus heutiger Sicht aber nicht beurteilen, ob das nachhaltig ist", sagt der BLG-Chef. Nach seinen Informationen handelt es sich vor allem um Nachholeffekte zum Auffüllen der Läger. "Wenn dieser Anstieg nachhaltig wäre, wären wir schneller wieder auf dem Umschlagsniveau von 2008. Bisher rechnen wir mit vier bis fünf Jahren." Nach den aktuellen Zahlen der BLG wurden in Bremerhaven im Zweimonatszeitraum Januar/Februar elf Prozent mehr Container umgeschlagen als in dem allerdings sehr schwachen Vorjahreszeitraum. Das Wachstum wird getragen von den Joint-Venture-Terminals MSC Gate und NTB. Die Zahlen bei der BLG-Containertochter Eurogate liegen noch unter dem Vorjahr.
Der Automobilumschlag in Bremerhaven stieg in diesem Zeitraum um 14 Prozent auf 180000 Fahrzeuge gegenüber dem ebenfalls sehr schwachen Vorjahreszeitraum. In guten Jahren wird diese Zahl in einem Monat erreicht. Der Export stieg um 34 Prozent, der Import ging um 19 Prozent zurück. Für Aden eine unerfreuliche Entwicklung, denn Geld verdient wird vor allem, wenn Fahrzeuge nach Europa eingeführt und hier für den Markt ausgerüstet werden. "Früher war das Verhältnis zwischen Import und Export 50:50. Heute sind 86 Prozent der Fahrzeuge für den Export bestimmt, nur 14 Prozent kommen ins Land hinein." Beim Export werden die Fahrzeuge lediglich aufs Schiff gefahren. Daran ist wenig zu verdienen. "Unsere ganzen Möglichkeiten in den Technikzentren und bei der Lagerhaltung werden nicht genutzt. Wir haben eine viel geringere Wertschöpfung", klagt Aden. Dadurch habe man dort im Januar und Februar trotz guter Auslastung, teilweise sogar Vollbeschäftigung, zwei Millionen Euro verloren.
Das sei einerseits eine Folge der Abwrackprämie, denn Käufe wurden vorgezogen. Andererseits könnte es sich auch um ganz grundlegende Veränderungen in den Märkten handeln, vermutet BLG-Sprecher Andreas Hötzel. Bisher habe zum Beispiel Daimler Fahrzeuge für den asiatischen Markt in den USA produziert und dann über Bremerhaven nach China verschifft. Ein Dreiecksgeschäft. Durch die steigenden Absatzzahlen dort werde es aber lukrativer, Fahrzeuge von Tuscaloosa aus direkt nach China zu transportieren.
"Das heißt, dass wir die Logistik für CKD (zerlegte Fahrzeugteile, completely knocked down) in den USA übernehmen wollen." Arbeit, die hier auf Dauer wegfällt. "Warenströme verändern sich. Dieser Prozess wird durch die Krise beschleunigt." Zu dieser Entwicklung gehört auch, dass weniger Fahrzeuge aus Asien eingeführt werden, weil zum Beispiel der koreanische Hersteller Hyundai/KIA Werke in Südosteuropa aufgebaut hat.
Osteuropa bleibt für die BLG eine wichtige Wachstumsregion. Dort wirkt sich die Krise aber besonders heftig aus. Man geht davon aus, dass der Markt für Automobile dort wiederkommt, aber nicht in diesem Jahr. Für Aden heißt das, Zurückhaltung bei Investitionen, aber dennoch alle Optionen offenhalten.
Was will Kühne von der BLG? Die BLG ist in letzter Zeit von mehreren Seiten in die Kritik geraten. Da waren zum einen die Auseinandersetzungen um die Veränderung der Lohnstrukturen, innerhalb des Unternehmens im Rahmen eines Haustarifs, aber in der Folge auch mit den Beschäftigten des Gesamthafenbetriebs (GHB), dessen Hauptabnehmer die BLG ist. Da die BLG hausintern einen neuen Fahrertarif mit einem Stundenlohn von 9,20 Euro durchgesetzt hat, ist für den GHB ein massiver Druck entstanden, nachzuziehen. Aden beruft sich erneut darauf, seine Kunden aus der Automobilbranche seien nicht bereit, höhere Löhne zu akzeptieren. Die BLG müsse konkurrenzfähig bleiben, sonst verliere sie Marktanteile.
Kritik kommt auch von einigen Spediteuren, allen voran EKB-Chef Wolfgang Weber, der sich über zu lange Abfertigungszeiten auf den Terminals beschwert. "Unsere elektronischen Aufzeichnungen geben das nicht her", sagt Aden. Er fordert Weber auf, konkrete Daten für Verzögerungen vorzulegen. "Das hat er bisher nicht getan." Sichtlich amüsiert hat Aden die Forderung des Logistik-Unternehmers Klaus-Michael Kühne, das Land Bremen solle die BLG verkaufen: "Da Herr Kühne schon öfter gefordert hat, die Bahn solle ihre Logistik-Tochter Schenker verkaufen, und man weiß, dass Kühne gern Teile von Schenker übernehmen würde, kann ich mir allenfalls vorstellen, dass er auch an Teilen der BLG interessiert ist."



© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Bremer Nachrichten Seite: 17 Datum: 26.03.2010

 

                                                                                                                                                                     

Zweite Niederlage für GHB

 

 

Bremerhaven

Auch vor dem Arbeitsgericht Bremerhaven ist der Gesamthafenbetriebsverein (GHB) gestern unterlegen. Analog zu einem Urteil in Bremen erklärte es in 21 Fällen die Kündigungen gegen Mitarbeiter für  unwirksam. Strittig ist die Sozialauswahl, die den Kündigungen zugrunde liegt.

Von Gert-Ulrich Hensellek

Noch sind die Urteile nicht rechtskräftig, und GHB-Geschäftsführer Hubertus Ritzke machte bereits während der Verhandlung deutlich, dass man als größte Leiharbeitsfirma der Hafenunternehmen bei einer Niederlage die nächst höhere Instanz anrufen wolle.

Bis auf den letzten Platz war gestern der Saal im Arbeitsgericht gefüllt. Die Zuschauer standen noch im Eingangsbereich. Neben den 21 Klägern und ihren Anwälten wollten weitere Betroffene der Kündigungswelle miterleben, wie das Gericht verfahren wird. „Für viele hier geht es um die Existenz“, sagte der Hafenarbeiter Andreas Hoeborn, der diese Verhandlung als Zuschauer verfolgte.

Insgesamt haben 198 geschasste Mitarbeiter Klage eingereicht, 101 davon in Bremerhaven. Die sind auf verschiedene Arbeitsgerichte verteilt. „Heute haben wir den Distributions- und Contai- nerbereich“, sagte Arbeitsrichterin Dr. Ursula Rinck. Am kommenden Montag muss sie über weitere Klagen gegen den GHB befinden.

 

Sozialauswahl angreifbar

Neben einer Absenkung der Tarife geht es im Kern jeweils um die Sozialauswahl, die der GHB zu Beginn der Krise bei den Kündigungen Anfang 2009 getroffen hatte. Während jüngere Beschäftigte, die nachträglich zum Containerbrücken- und Van-Carrier-Fahrer qualifiziert worden waren, bleiben durften, mussten ältere Arbeitnehmer ohne Zusatzqualifikationen gehen. Weil sie die Auswahl gebilligt hatten, gibt es von den Klägern auch gegen den Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi harsche Vorwürfe. „Der Arbeitgeber konnte in keinem Fall die Rechtmäßigkeit der Sozialauswahl nachweisen“, wertete die Richterin später in der Urteilsbegründung.

Der Forderung nach Entschädigung sowie sofortiger Wiedereinstellung mochte Dr. Ursula Rinck dagegen nicht folgen. Für die Kläger hatte ihr Wortführer Olaf Thun argumentiert, Arbeit sei im Hafen genug da, der GHB setzte dafür jedoch Fremdfirmen ein, die die Jobs für weniger Geld erledigten. Im Falle einer Niederlage sei der GHB durch den Streit in seiner Existenz bedroht.

Doch daran seien die Kläger nicht interessiert, sagte Thun: „Er darf nicht über Kopf gehen. Lasst uns das Kriegsbeil endlich begraben. Wir wollen einfach nur Beschäftigung“, sagte er unter Applaus aus dem Zuhörerraum.

Wenn der GHB bei seiner Haltung bleibt und den Instanzenweg wählt, können bis zu einem Urteil vor dem Bundesarbeitsgericht leicht zwei Jahre ins Land gehen. Beobachter setzen daher mehr auf eine politische Lösung. 

 

Quelle: Nordsee-Zeitung vom 09.03.2010